Bindehautentzündung

Die Augenbindehaut bedeckt die weiße Fläche des Augapfels. Es handelt sich um eine Schleimhaut mit verschiedenen Drüsen. Ein Teil der Tränenflüssigkeit wird hier gebildet. Durch verschiedene Reize kann sich die Bindehaut entzünden. Die Mediziner bezeichnen eine Bindehautentzündung in der Fachsprache als Konjunktivitis. Dabei unterscheidet man zwischen infektiöser und nicht infektiöser Bindehautentzündung.
Ursachen und Beschwerden

Infektiöse Bindehautentzündungen können durch Viren, Bakterien oder Parasiten (Chlamydien) verursacht werden. Die Erreger gelangen durch Schmierinfektion beispielsweise über infizierte Hände (Reiben der Augen mit infizierten Händen), Hand- oder Taschentücher ins Auge. Meistens beginnt die Entzündung an einem Auge, das zweite Auge erkrankt kurze Zeit später. Infektiöse Bindehautentzündungen sind hoch ansteckend und sollten ärztlich behandelt werden!

Typische Symptome einer Bindehautentzündung:
- gerötete Augen
- Anschwellen der Bindehaut
- tränende und brennende Augen
- Fremdkörpergefühl
- eitrige Absonderungen (Augen können beim Schlafen "verkleben").

Nicht infektiöse Bindehautentzündungen entstehen beispielsweise durch Rauch, Staub, Chlor, Wind, Kälte, UV-Strahlung, Überanstrengung, verminderten Tränenfluss oder nicht richtig angepasste Brillengläser. Die Augen sind gerötet, tränen und je nach Ursache kommen Schmerzen und ein Fremdkörpergefühl (Kratzen im Auge) hinzu. Bei der allergisch bedingten Bindehautentzündung werden die Betroffenen zusätzlich durch starken Juckreiz gequält.

Wichtiger Hinweis: Bei starker Lichtempfindlichkeit und Schmerzen im Auge muss immer ein Augenarzt aufgesucht werden. Diese Symptome deuten auf eine Beteiligung der Hornhaut hin.

Bindehautentzündung beim Säugling
Wenn Säuglinge häufig an einer Bindehautentzündung erkranken, kann das durch einen noch nicht vollständig ausgereiften Tränen-Nasen-Kanal bedingt sein. Die Tränengänge können dann verstopfen und sich entzünden. Die Augen des Kindes sind dabei gerötet und tränen. Es kann außerdem zu gelben, eitrigen Absonderungen am Lidrand kommen. Die Behandlung muss durch einen Kinderarzt erfolgen. Häufig verwächst sich diese Störung bis zu einem Alter von 12 Monaten. Falls nicht, kann der Tränenkanal durch einen ambulanten operativen Eingriff geweitet werden.

Hilfe aus der Apotheke

Die Behandlung der Bindehautentzündung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Erkrankung. Bei starken Beschwerden, bei eitriger Absonderung am Lidrand bzw. bei einer infektiösen Bindehautentzündung sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Er muss entscheiden, ob antibiotisch bzw. antiviral wirksame Mittel (beide verschreibungspflichtig) erforderlich sind.

Leichte Formen der Bindehautentzündung, die beispielsweise durch Wind oder eine Überanstrengung der Augen ausgelöst werden, können selbst behandelt werden. Mit so genannten Vasokonstriktoren (auch als Alpha-Sympathomimetika bezeichnet) kann man die Reizung der Augen lindern. Geeignet sind Augentropfen mit Wirkstoffen wie Naphazolin, Tetryzolin, Tramazolin, Xylometazolin oder Phenylephrin. Sie sorgen dafür, dass sich die durch die Augenentzündung erweiterten Blutgefäße zusammenziehen. Dadurch geht die Rötung zurück. Man bezeichnet diese Substanzen deshalb auch als "Weißmacher". Die Wirkstoffe dürfen nicht angewandt werden bei "trockenem Auge", bei erhöhtem Augeninnendruck (Engwinkelglaukom), bei schweren Herz- oder Gefäßkrankheiten (z.B. Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck), bei bestimmten hormonellen Störungen (Überfunktion des Nebennierenmarks/Phäochromozytom), bei Schilddrüsenüberfunktion und bei Kindern unter 2 Jahren. Beachten Sie auch die Hinweise im Beipackzettel unter der Rubrik Wechselwirkungen. Vasokonstriktoren können beispielsweise die Wirkung bestimmter Antidepressiva beeinträchtigen. Manche Mittel schwächen auch die Wirkung von blutdrucksenkenden Substanzen ab.
Tipp: Der Berufsverband der Augenärzte e.V. empfiehlt: Wenden Sie Weißmacher nicht länger als eine Woche an, wenn keine ausdrückliche ärztliche Verordnung vorliegt! Durch eine langfristige Anwendung der Vasokonstriktoren kann die Bindehaut verhornen.
In manchen Produkten werden Vasokonstriktoren mit anderen Wirkstoffen kombiniert. Zusätze von Zinksulfat wirken heilungsfördernd. Zinkborat verstärkt die anitentzündliche Komponente und bekämpft Bakterien und Pilze. Diese Effekte nutzt man nicht nur bei der Darreichungsform Augentropfen, sondern auch bei Augenbädern. Alternativ zur Kombination Naphazolin/Zinkborat gibt es auch Augenbäder, die Salicylsäure enthalten. Salicylsäure wirkt ebenfalls antiseptisch.

Hinweis für Augenbäder: Fertige Lösungen zur Augenspülung werden unverdünnt angewandt. Dazu brauchen Sie eine Augenbadewanne (ist in manchen Produkten bereits enthalten), die Sie zur Hälfte mit der Flüssigkeit füllen. Drücken Sie die Augenbadewanne bei nach vorne gebeugtem Kopf fest aufs Auge. Legen Sie anschließend Kopf nach hinten. Das Auge wird nun mit der Flüssigkeit umspült. Öffnen und schließen Sie dabei mehrmals die Augen. Nehmen Sie nach der empfohlenen Einwirkzeit das Gefäß vom Auge und gießen Sie die Flüssigkeit weg. Nicht wieder verwenden! Während des Augenbades dürfen Sie keine Kontaktlinsen tragen. Angebrochene Spüllösungen sind nur begrenzt haltbar. Beachten Sie die Angaben im Beipackzettel.
Kombinationen von Vasokonstriktoren mit Antihistaminika wie Antazolin oder Pheniramin helfen bei "unspezifischen" oder bei allergisch bedingten Bindehautentzündungen. "Unspezifisch" bedeutet, dass die Bindehautentzündung auf Reizungen und nicht auf Infektionen zurückzuführen ist.
Der Arzneistoff Bibrocathol wirkt antiseptisch. Entzündliche Prozesse am Auge bilden sich zurück. Leider kann der Wirkstoff nur als Salbe angewandt werden. Wenn die Augensalbe aufgetragen wird, kann der Fettfilm das Sehvermögen beeinträchtigen.

Dexpanthenol ist ein Wirkstoff, der in vielen Wund- und Heilsalben zur Anwendung kommt. Er hilft auch gegen entzündliche Prozesse am Auge. Es gibt Salben und Tropfen.
Unter den pflanzlichen Mitteln zur Behandlung der Bindehautentzündung haben sich Zubereitungen mit Euphrasia officinalis (Augentrost) bewährt. Sie werden als Augentropfen auch in Einzeldosenbehältnissen angeboten. Euphrasia-Tee wird auch für Augenspülungen bzw. Bäder eingesetzt.
Tipp: "Portionierte Augentropfen" (Einzeldosenbehältnisse) enthalten keine Konservierungsstoffe und sind besser verträglich. Träger weicher Kontaktlinsen profitieren besonders davon, weil sich Konservierungsstoffe auf den Linsen festsetzen und so zusätzlich zu Reizungen am Auge oder Verfärbungen der Linsen führen können.

Allergische Bindehautentzündungen können mit Antihistaminikahaltigen Augentropfen behandelt werden. Kombinierte Produkte enthalten neben Antihistaminika wie Antazolin oder Pheniramin Vasokonstriktoren wie Tetryzolin oder Naphazolin. Vorbeugend schützen Zubereitungen mit Cromoglicinsäure vor den allergischen Reizen.
Tipp: Reiben Sie nicht an den Augen! Die Augen werden dadurch zusätzlich gereizt und die Beschwerden verstärken sich. Darüber hinaus können die Erreger bei einer bakteriellen oder viralen Bindehautentzündung auf das andere Auge übertragen werden.

Wann zum Arzt?

Das Auge ist ein sehr empfindliches Organ. Auch harmlose Ursachen können bei falscher Behandlung zu bleibenden Schäden führen. Deshalb sollten Sie bei geröteten Augen immer einen Augenarzt aufsuchen.

Gehen Sie zum Augenarzt, wenn
- Ihre Augen ohne erkennbaren Grund gerötet sind
- eitriges Sekret abgesondert wird
- Ihre Augen sehr lichtempfindlich reagieren
- die Selbstbehandlung keine Besserung bringt
- ein Fremdkörper oder unverträgliche Flüssigkeiten ins Auge geraten sind
- Ihre Sehfähigkeit beeinträchtigt ist.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nebenwirkungen
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Das gilt auch für Medikamente, die am Auge angewandt werden. Angaben zu den einzelnen Produkten finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne.

Vorsicht mit Kontaktlinsen
Wer Kontaktlinsen trägt, sollte sie vor der Anwendung von wirkstoffhaltigen Augentropfen herausnehmen. Nach circa 15 Minuten können harte Linsen wieder eingesetzt werden. Bei weichen Linsen ist das nicht möglich. Sie können durch die enthaltenen Konservierungsmittel beeinträchtigt werden. Diese Stoffe setzen sich in den Poren der weichen Linsen fest und sorgen beim weiteren Tragen für zusätzliche Reizungen. Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann die Linsen sogar verfärben. Eine Lösung für dieses Problem stellen Augentropfen in Einzeldosenbehältnissen dar. Sie enthalten keine Konservierungsmittel und sind besser verträglich. Aber auch hier gilt: beim Eintropfen Linsen herausnehmen und erst 15 Minuten später wieder einsetzen. Wer eine Augensalbe anwendet, sollte in diesem Zeitraum gar keine Kontaktlinsen tragen.

Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit
Nach der Anwendung von Augentropfen kann kurzzeitig (5-10 Minuten) das Sehvermögen beeinträchtigt werden. In dieser Zeit dürfen Sie keine Maschinen bedienen, oder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Nach der Anwendung von Augensalben hält das Verschwommen-Sehen noch länger an. Kalkulieren Sie dies vor der Anwendung ein.


Reizlindernde Mittel
Viele Hersteller bieten neben Tropfflaschen auch Einzeldosenbehältnisse an. Diese Augentropfen sind portionsweise abgepackt und für eine einmalige Anwendung vorgesehen. Da sie nach Anbruch sofort verbraucht werden, müssen keine Konservierungsmittel zugesetzt werden. Die Mittel werden dadurch verträglicher und eignen sich besonders für empfindliche Personen und Kontaktlinsenträger. Tropfflaschen können maximal 4-6 Wochen nach Anbruch benutzt werden. Beachten Sie die Angaben im Beipackzettel.
Tipps zur Anwendung: Das Eintropfen oder das Auftragen der Zubereitungen (Salbe, Tropfen) gelingt am besten, wenn Sie den Kopf etwas nach hinten neigen. Schauen Sie nach oben und ziehen Sie das untere Lid etwas nach unten. So bildet sich eine kleine Tasche (Bindehautsack), in die das Medikament eingebracht werden kann. Zwinkern Sie anschließend mit den Augen, dadurch verteilt sich der Wirkstoff. Streifen Sie bei der Anwendung von Augensalben den Salbenstrang nicht mit dem Finger ab. Infektionsgefahr! Durch das Drehen der Tube kann man den Strang sozusagen "abdrehen".
Wichtiger Hinweis: Das Fläschchen oder die Tube darf nicht mit dem Auge in Berührung kommen. Verletzungen und Infektionen werden dadurch begünstigt. Bei bakteriellen oder viralen Bindehautentzündungen können die bereits vorhandenen Keime ins Fläschchen/Tube gelangen und immer wieder neue Infektionen auslösen.

Pflanzliche und homöopatische Mittel
Obwohl Augentrost (Euphrasia officinalis) traditionell zur Behandlung von entzündlichen Prozessen am Auge eingesetzt wird, ist noch nicht geklärt, wie die Wirkung zustande kommt. Bewährt haben sich homöopathische Zubereitungen. Die entsprechenden Augentropfen gibt es in Einzeldosenbehältnissen oder in der Tropfflasche. Sie sind gut verträglich und können auch von Kindern benutzt werden. Träger weicher Kontaktlinsen sollten Produkte in Einzeldosenbehältnissen vorziehen, da sie keine Konservierungsstoffe enthalten.
Teezubereitungen mit Augentrost werden häufig für Augenbäder oder -spülungen genutzt. Der Tee muss frisch zubereitet sein. Sobald er abgekühlt ist, kann die Anwendung erfolgen. Abgestandener Tee kann Keime enthalten und zusätzliche Infektionen auslösen. Benutzen Sie für die Spülung eine Augenbadewanne (in der Apotheke erhältlich). Ihre Apotheke erklärt Ihnen gerne die fachgerechte Anwendung.

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