Trockenes Auge

Das Syndrom des trockenen Auges (Keratoconjunctivitis sicca) tritt häufig im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf. Frauen in den Wechseljahren sind besonders oft betroffen, weil sich durch die Hormonumstellung auch die Beschaffenheit des Tränenfilms verändern kann. Die Hornhaut wird dann nicht mehr lückenlos benetzt und es entstehen trockene Stellen auf dem Auge. Weitere häufige Auslöser sind Bildschirmarbeit, trockene Raumluft oder bestimmte Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder rheumatoide Arthritis.
Ursachen und Beschwerden

Beim gesunden Auge werden Bindehaut und Hornhaut ständig von einem Tränenfilm überzogen. Die ausreichende und gleichmäßige Befeuchtung ist entscheidend für das "reibungslose" Öffnen und Schließen der Augenlider. Darüber hinaus versorgt die Tränenflüssigkeit die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sie gewährleistet auch den Abtransport von Stoffwechselabbauprodukten. Wenn nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird, oder die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert wird, entstehen trockene Stellen auf der Hornhaut. Die Folge sind Bindehautreizungen und ein Trockenheitsgefühl.

Typische Symptome beim Trockenen Auge:
- Bindehautreizungen
- Trockenheitsgefühl
- Brennen, Kratzen, Fremdkörpergefühl, Juckreiz
- Evtl. Schmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- verstärkter Tränenfluss
- gerötete Bindehaut.

Mögliche Ursachen für eine Veränderung des Tränenfilms:
- trockene Raumluft bzw. trockenes Klima (z.B. klimatisierte Büroräume, heißes Klima)
- Umweltgifte (Tabakrauch, Chemikalien, Autoabgase)
- Infektionen am Auge (vor allem durch Viren)
- verschiedene Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Hormonstörungen oder rheumatische Erkrankungen
- Medikamente (z.B. Betablocker, Östrogene)
- Hormonumstellung während der Wechseljahre
- Konservierungsmittel in Augentropfen/-salben
- Duftstoffe in Kosmetika
- Vitamin-A-Mangel
- Bildschirmarbeit (durch konzentriertes Arbeiten am Bildschirm verringert sich die Häufigkeit des Lidschlages; dadurch trocknet der Tränenfilm schneller aus)
- Kontaktlinsen
- Unvollständiger Lidschluss
- Erkrankungen der Tränendrüse (Entzündungen, Tumore).

Hilfe aus der Apotheke

Tränenersatzmittel ("Künstliche Tränen") lindern die Beschwerden beim trockenen Auge. Die Mittel bilden auf der Augenoberfläche einen Film. Dadurch wird das Auge feucht gehalten. Als Filmbildner kommen Wirkstoffe wie Carbomer, Hyetellose, Hypromellose, Natriumhyaluronat, Polyvinylalkohol oder Povidon zur Anwendung. Es gibt Tropfen und Gele. Viele Zubereitungen werden in Einzeldosenbehältnissen angeboten und können dadurch ohne Konservierungsstoffe verarbeitet werden. Diese Mittel sind besser verträglich und eignen sich für Kontaktlinsenträger.

Für Kontaktlinsenträger gibt es je nach Produkt sehr unterschiedliche Empfehlungen. Meistens müssen die Kontaktlinsen vor der Anwendung herausgenommen werden. Es gibt allerdings auch Produkte, bei denen dies nicht nötig ist (z.B. bei Mitteln, die Povidon oder Hypromellose enthalten). Beachten Sie unbedingt die Angaben im Beipackzettel.

Filmbildner werden auch kombiniert angewandt. Bewährt haben sich Kombinationen zwischen dünn- und dickflüssigen Mitteln, die unterschiedlich lange wirken. Die kurze Wirkung des dünnflüssigen Filmbildners kann so verlängert werden. Gleichzeitig fällt die Beeinträchtigung der Sehfähigkeit durch den dickflüssigen Filmbildner schwächer aus. Dickflüssige Filmbildner verschlechtern das Sehvermögen nach dem Eintropfen länger als dünnflüssige.
Zusätze von Vitamin A können einen möglichen Mangel am Auge ausgleichen. Normalerweise wird die Hornhaut über die Tränenflüssigkeit mit dem "Augenvitamin" versorgt. Zu wenig Tränenflüssigkeit oder eine zu geringe Aufnahme des Vitamins über die Nahrung kann zu einer Unterversorgung am Auge führen und so die Symptome des trockenen Auges auslösen oder verstärken.
Kombinationen mit Dexpanthenol sollen die Regenerationsprozesse der Binde- und Hornhaut beschleunigen. Man findet den Wirkstoff auch in vielen Wund- und Heilsalben.
Produkte, die weißes Vaselin, dünnflüssiges Paraffin und Wollwachsalkohole enthalten, sind fetthaltiger als die oben erwähnten Filmbildner. Sie überziehen das Auge mit einem fetthaltigen Film, und verhindern so das Verdunsten der Tränenflüssigkeit. Sie eignen sich beispielsweise, wenn trockene Augen durch unvollständigen Lidschluss verursacht werden. Aufgrund des höheren Fettgehaltes gibt es die entsprechenden Produkte nur als Augensalbe.

Tipps zur Vorbeugung:
- Falls Sie am Bildschirm arbeiten: Unterbrechen Sie die Arbeit am Computer durch regelmäßige Pausen
- Trinken Sie mindestens 2-3 Liter Wasser, Fruchtsaftschorlen, Kräuter- oder Früchtetee
- Stellen Sie Wasserverdunstungsschalen in Räumen auf, in denen Sie sich oft aufhalten
- Lüften Sie mehrmals täglich
- Schützen Sie ihre Augen vor Zugluft. Tragen Sie bei Wind oder beim Autofahren mit Gebläse eine Sonnenbrille.
Wann zum Arzt?

Das Auge ist ein sehr empfindliches Organ. Auch harmlose Ursachen können bei falscher Behandlung zu bleibenden Schäden führen. Wenn die Augen brennen, kratzen und tränen oder die Bindehaut gerötet ist, sollten Sie zur Abklärung der Ursache einen Augenarzt aufsuchen.

Wenden Sie sich an einen Augenarzt, wenn
- Ihre Augen ohne erkennbaren Grund gerötet sind
- ein plötzliches Fremdkörpergefühl im Auge auftritt
- Ihre Augen sehr lichtempfindlich reagieren
- die Selbstbehandlung keine Besserung bringt.

Was Sie beachten sollten
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nebenwirkungen
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Das gilt auch für Medikamente, die am Auge angewandt werden. Angaben zu den einzelnen Produkten finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne.

Vorsicht mit Kontaktlinsen
Wer Kontaktlinsen trägt, sollte diese vor der Anwendung von wirkstoffhaltigen Augentropfen herausnehmen. Nach circa 15 Minuten können harte Linsen wieder eingesetzt werden. Bei weichen Linsen ist das nicht möglich. Sie können durch die enthaltenen Konservierungsmittel beeinträchtigt werden. Diese Stoffe setzen sich in den Poren der weichen Linsen fest und sorgen beim weiteren Tragen für zusätzliche Reizungen. Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann die Linsen sogar verfärben. Eine Lösung für dieses Problem stellen Augentropfen in Einzeldosenbehältnissen dar. Sie enthalten keine Konservierungsmittel und sind besser verträglich. Aber auch hier gilt: beim Eintropfen Linsen herausnehmen und erst 15 Minuten später wieder einsetzen.
Ausnahme: Konservierungsmittelfreie Zubereitungen mit Filmbildnern wie Povidon oder Polyvinylalkohol können auch während des Tragens der Linsen eingetropft werden. Sie werden sogar zur Nachbenetzung empfohlen. Beachten Sie die Angaben im Beipackzettel.
Wer Augensalbe anwendet, sollte in diesem Zeitraum gar keine Kontaktlinsen tragen.

Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit
Nach der Anwendung von Augentropfen kann kurzzeitig (5-10 Minuten) das Sehvermögen beeinträchtigt werden. In dieser Zeit dürfen Sie keine Maschinen bedienen, oder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Nach der Anwendung von Augensalben/gelen hält das Verschwommen-Sehen noch länger an.
Hinweise zur Anwendung von Augentropfen/-salben/-gelen
Das Eintropfen oder das Auftragen von Augentropfen/-salben/-gelen gelingt am besten, wenn Sie den Kopf etwas nach hinten neigen. Schauen Sie nach oben und ziehen Sie das untere Lid etwas nach unten. So bildet sich eine kleine Tasche (Bindehautsack), in die das Medikament eingebracht werden kann. Zwinkern Sie anschließend mit den Augen, dadurch verteilt sich der Wirkstoff. Streifen Sie bei der Anwendung von Augensalben/-gelen den Strang nicht mit dem Finger ab. Infektionsgefahr! Durch das Drehen der Tube kann man den Strang sozusagen "abdrehen".
Wichtiger Hinweis: Das Fläschchen oder die Tube dürfen nicht mit dem Auge in Berührung kommen, weil Verletzungen und Infektionen dadurch begünstigt werden. Eine weitere Gefahr: Bei bakteriellen oder viralen Bindehautentzündungen können die bereits vorhandenen Keime ins Fläschchen/Tube gelangen, und bei den folgenden Anwendungen immer wieder neue Infektionen auslösen.


Tränenersatzmittel
Filmbildner lindern die Beschwerden beim trockenen Auge. Sie sind in der Regel gut verträglich und können über einen längeren Zeitraum angewandt werden. Einige Produkte können sogar während des Tragens von Kontaktlinsen eingetropft werden (z.B. Povidon oder Polyvinylalkohol in konservierungsmittelfreien Zubereitungen). Beachten Sie hierzu die Angaben im Beipackzettel.
Augentropfen im Fläschchen dürfen nach Anbruch nicht länger als 4-6 Wochen angewandt werden. Es kann sonst zu Infektionen am Auge kommen, wenn die Haltbarkeit überschritten wird. Am besten, Sie beschriften die Packung mit dem Datum des Anbruchs. So verhindern Sie unnötige Komplikationen.
Zubereitungen in Einzeldosenbehältnissen (Ophtiolen) enthalten keine Konservierungsstoffe und eignen sich nur zur einmaligen Anwendung. Reste angebrochener Ophtiolen dürfen deshalb am nächsten Tag nicht wieder verwendet werden. Infektionsgefahr!
Wichtiger Hinweis: Bewahren Sie Filmbildner bzw. künstliche Tränenflüssigkeit nicht im Kühlschrank auf. Die Mittel können zähflüssig werden. Man kann sie dann nicht mehr ins Auge tropfen. Bei gleichzeitiger Anwendung anderer Augenarzneien soll zwischen der Anwendung der unterschiedlichen Medikamente mindestens ein Zeitraum von 15 Minuten liegen (Abweichungen je nach Produkt möglich). Handelt es sich dabei um wirkstoffhaltige Augentropfen gilt meistens die Regel: Filmbildner bzw. Tränenersatzmittel nach angemessenem Zeitabstand zuletzt eintropfen. Bei Augensalben findet man auch die umgekehrte Reihenfolge (erst Filmbildner, dann Augensalbe). Richten Sie sich nach den produktbezogenen Empfehlungen im Beipackzettel oder fragen Sie einfach Ihren Apotheker. Er beantwortet gerne. Ihre Fragen.

Vitamin A haltige Mittel
Beim gesunden Auge wird die Hornhaut durch die Tränenflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt. Die Zufuhr von Vitamin A spielt dabei eine wichtige Rolle, da dieses Vitamin einen entscheidenden Einfluss auf die Funktion der Binde- und Hornhautzellen hat. Ein Mangel führt zum "Trockenen Auge-Syndrom". Vitamin A-haltige Augentropfen/-gele/-salben können hier ausgleichend wirken. Diese Mittel können kurze Zeit nach der Anwendung das Reaktionsvermögen beeinträchtigen.
Kontaktlinsen müssen vor der Verabreichung herausgenommen werden. Bei der Verwendung von Augentropfen können sie 15 Minuten später, bei Gelen 30 Minuten später wieder eingesetzt werden. Bei der Anwendung von Augensalben sollte während der gesamten Behandlungszeit auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichtet werden.

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