Lippenherpes

Viele Menschen sind mit dem Herpes-simplex-Virus infiziert. Aber nur bei etwa jedem 5. bricht die Krankheit aus. Durch kleine Verletzungen dringt das Virus in den Körper ein und wandert entlang der Nervenbahnen in die Nervenknoten. Dort ruht es, bis irgendein Reiz den Ausbruch der Erkrankung auslöst. Dies kann Jahre dauern, oder auch nie passieren. Eine frühzeitige antivirale Behandlung lindert und verkürzt den Krankheitsverlauf.
Ursachen und Beschwerden

Erste Anzeichen für Lippenherpes sind Kribbeln, Jucken, Taubheits- oder Spannungsgefühl und Rötung der Haut. Einige Stunden später entstehen Bläschen. Sie sind mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt, in der sich die Herpesviren in tausendfacher Konzentration befinden und vermehren. Entsprechend hoch ist die Ansteckungsgefahr für benachbarte Zellen beziehungsweise Hautstellen. Deshalb: Finger weg von Herpesbläschen, Borken oder Krusten! Falls es doch passiert: sofort gründlich die Hände waschen. Die aus der Wunde austretende Flüssigkeit ist hoch infektiös! In der Abheilungsphase platzen die Bläschen auf und verkrusten Nach der Abheilung ziehen sich die Herpes-Viren wieder in ihre Nervenknoten zurück und ruhen bis zum nächsten Ausbruch.

Folgende Faktoren begünstigen das Ausbrechen einer Herpesinfektion:
- Schwächung des Immunsystems (beispielsweise durch Erkältungen oder sonstige Krankheiten)
- Stress und psychische Belastungen
- Sonneneinstrahlung
- Gemütsschwankungen (Trauer, aber auch Freude)
- Hormonschwankungen (Monatsblutung)
- starkes Ekelgefühl (beispielsweise wenn im Restaurant Gläser mit Lippenstiftspuren serviert werden)
Klimareize (extreme Hitze oder Kälte).

Hilfe aus der Apotheke

Zur Linderung der Symptome des Lippenherpes wird von Zahnpasta über Eiswürfel bis hin zu virushemmenden Cremes oder Gelen vieles ausprobiert. Die Wirkung der so genannten Hausmittel beschränkt sich meistens auf die austrocknende Wirkung der Bläschen. Virushemmende Cremes oder Gele gehen dagegen aktiv gegen das Virus vor.

Der Arzneistoff Aciclovir wirkt ganz gezielt gegen Viren. Er dringt bevorzugt in die infizierten Zellen ein und stoppt dort die Virusvermehrung. Je früher dieser Vorgang unterbrochen wird, desto geringer fallen die Krankheitssymptome aus. Bei rechtzeitiger Anwendung können Juckreiz, Schmerzen und die Dauer der Erkrankung verringert werden. Ganz entscheidend für die Wirkung ist die Anwendung bei den allerersten Symptomen (Brennen, Jucken, Rötung, Spannungsgefühl).

Zinksulfat trocknet die Haut aus und wirkt leicht zusammenziehend (adstringierend). Dadurch wird die Wundheilung verbessert. Zinksulfat soll außerdem das Anheften und Eindringen der Viren in gesunde Körperzellen verhindern. Das Virus kann sich dann nicht mehr ausbreiten. Durch die Kombination mit Heparin werden die antiviralen Effekte verstärkt.

Auch mit Heilpflanzen kann man den Herpes-Virus bekämpfen. Extrakte aus Melissenblättern besitzen antivirale Eigenschaften, wenn sie auf die infizierte Haut aufgetragen werden. Damit das Virus in eine Zelle eindringen kann, muss es an der Zellmembran "andocken". Dieser Prozess des "Ankerwerfens" wird durch Melissenextrakte unterbunden. Bei frühzeitiger und regelmäßiger Anwendung kann die Ausbreitung der Infektion verringert oder gar verhindert werden. Gleichzeitig wird der Heilungsprozess beschleunigt.

Tipp:
Nicht mit den Fingern auftragen! Egal welche Creme Sie anwenden, tragen Sie diese mit einem Wattestäbchen auf. Meiden Sie den Kontakt zwischen den Fingern und der infizierten Haut. Wenn die Herpesviren ins Auge gelangen, kann es zu Komplikationen kommen. Die Ausbreitung der Infektion an anderen Körperstellen ist sehr unangenehm.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie starke Beschwerden haben, oder wenn Sie sehr oft unter Lippenherpes leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Häufige Herpes-Infektionen können ein Hinweis für ein geschwächtes Immunsystem sein.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- sich neben den Herpessymptomen Ihr Allgemeinzustand verschlechtert (Krankheitsgefühl)
- Fieber entsteht
- Säuglinge oder Kleinkinder betroffen sind (wenn das Immunsystem noch nicht ausgereift ist, können Komplikationen entstehen)
- Geschlechtsorgane oder die Augen betroffen sind
- sich die Infektion ausbreitet, bzw. an anderen Körperstellen auch auftritt
- die Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind oder sich trotz Selbstmedikation verschlechtern
- Sie unter einer Immunschwächekrankheit leiden oder Medikamente einnehmen, die das Immunsystem beeinträchtigen.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Auch Mittel zum Einreiben können Wechselwirkungen zeigen. Zubereitungen, die gegen Lippenherpes wirksam sind, werden im Allgemeinen gut vertragen. Beim Auftragen von Lippencremes mit dem Wirkstoff Aciclovir kann es vorübergehend zu einem Brennen und Stechen an der behandelten Hautstelle kommen. Hinweise zu den einzelnen Produkten finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne.

Frühzeitige Anwendung besonders wichtig
Tragen Sie die virushemmenden Lippencremes gleich bei den ersten Anzeichen (Jucken, Kribbeln, Spannungsgefühl) des Lippenherpes auf. Nur so wirken die Arzneistoffe optimal. Der Krankheitsverlauf kann verkürzt werden, die Beschwerden fallen weniger stark aus. Wenn Sie häufiger betroffen sind, führen Sie immer virushemmende Lippencreme mit sich.


Virushemmende Lippencremes
Aciclovir hemmt die Virusvermehrung. Der Arzneistoff wirkt nur dann optimal, wenn er mit den ersten Anzeichen des Lippenherpes aufgetragen wird. Mediziner und Hersteller empfehlen, Aciclovir gleich beim ersten Jucken, Kribbeln oder Spannungsgefühl anzuwenden. Die Cremes können bis zu 5-mal täglich alle 4 Stunden mit einem Wattestäbchen auf die infizierten Stellen und unmittelbar benachbarte Hautbereiche aufgetragen werden. Durch Verwenden eines Wattestäbchens können Sie das Übertragungsrisiko der Virusinfektion auf andere Körperstellen herabsetzen Trotzdem ist es ganz wichtig, nach jeder Anwendung die Hände zu waschen. Aciclovir darf nicht mit den Schleimhäuten (Auge, Genitalbereich) in Berührung kommen. Normalerweise beschränkt sich der Behandlungszeitraum bei der Anwendung von Aciclovir auf 5 Tage. Eine Behandlungsdauer von mehr als 10 Tagen muss mit dem Arzt besprochen werden.
Zinksulfat und entsprechende Kombinationen mit Heparin trocknen die Bläschen aus, verbessern die Wundheilung und wirken der Virusverbreitung entgegen. Die Gele können mehrmals täglich auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. Anschließend immer Hände waschen. Auch hier gilt: je früher die Behandlung beginnt, desto besser der Therapieerfolg. Melissenblätterextrakte hindern das Virus an seiner Ausbreitung und verbessern den Heilungsprozess bei Lippenherpes. Tragen Sie die Creme mit den ersten Anzeichen 2-4mal täglich auf. Anschließend Hände waschen.


zurück zum Thema Haut und Haare
zurück zur Hauptübersicht