Neurodermitis

Neurodermitis ist eine entzündliche Hauterkrankung mit starkem Juckreiz. Etwa 4% der deutschen Bevölkerung leidet darunter, überwiegend Kinder. Bei etwa 75% der erkrankten Kinder verschwindet die Krankheit in der Pubertät. Bei den restlichen 25% kann sie lebenslang bestehen bleiben. Ersterkrankungen sind auch noch bei Erwachsenen möglich. Häufig lassen die Beschwerden mit zunehmendem Lebensalter nach.
Ursachen und Beschwerden

Neurodermitis ist eine chronisch verlaufende, entzündliche Hautkrankheit. Es gibt beschwerdefreie Zeiträume, die von akuten Krankheitsschüben unterbrochen werden. Die Ursachen dafür sind noch nicht bekannt. Man vermutet, dass eine erbliche Veranlagung zur Überempfindlichkeit der Haut und der Schleimhäute besteht. Diese Veranlagung ist verbunden mit einer Neigung zu allergischen Erkrankungen wie z.B. Heuschnupfen oder Asthma. Für die Entwicklung einer Neurodermitis scheinen mehrere Faktoren zusammenzuwirken wie z.B. das Immunsystem, äußere Einflüsse und die Psyche.

Kinder erkranken mit einer Häufigkeit von etwa 30 Prozent, wenn ein Elternteil unter Neurodermitis leidet. Ist sie bei beiden Eltern aufgetreten, erkranken 60 Prozent der Kinder. Kinder, die gestillt wurden, scheinen seltener Neurodermitis zu entwickeln.

Neurodermitisschübe werden begünstigt durch:
- Psychischen Stress
- Infekte
- Wärmestau, trockene Heizungsluft
- falsche Körperpflege
- Allergene, z.B. Tierhaare, Hausstaubmilben, Pollen, Nahrungsmittel
- Hautreizungen durch Wasch- und Pflegemittel (Kosmetika).

Vorsicht mit bestimmten Lebensmitteln
Bestimmte Nahrungsmittel können die Krankheit verschlimmern, insbesondere, wenn Nahrungsmittelallergien vorliegen. Daneben können Zitrusfrüchte, Obstsäfte, Alkohol und stark gewürzte Speisen den Hautzustand verschlechtern.

Die Krankheitssymptome verändern sich mit zunehmendem Alter. Im Säuglingsalter beobachtet man gerötete, stark juckende Ekzeme mit Bläschen. Wenn sie aufgekratzt werden, kommt es zu nässenden, entzündeten Hautstellen. Gesicht und Kopf, aber auch Unterarme und Unterschenkel sind häufig betroffen. Wenn die nässenden Stellen trocknen, bildet sich ein weißlich-gelber Schorf. Das Bild erinnert an getrocknete Milch. Man bezeichnet Neurodermitis im Säuglingsalter deshalb auch als Milchschorf. Manchmal bleibt die Erkrankung auf das Säuglingsalter beschränkt und tritt danach nie wieder auf.

Im Kleinkindalter bis hin zum Jugendalter findet man entzündliche Rötungen oder Papeln (kleine Knötchen), aufgekratzte Hautstellen und Verkrustungen am ganzen Körper verteilt. Der juckende Hautausschlag breitet sich jedoch insbesondere an Ellenbeugen, Kniekehlen, Fuß- und Handrücken oder im Nacken aus. Haut und Haare sind sehr trocken, stellenweise schuppt sich die Haut. Durch das häufige Kratzen verdickt und vergröbert sich die Haut. Experten bezeichnen dieses Phänomen als Lichenifikation. Unabhängig vom Alter klagen alle Betroffenen über starken Juckreiz. Komplikationen entstehen, wenn die aufgekratzten Stellen von Keimen besiedelt werden und sich entzünden. Bis zum Erwachsenenalter kann sich die Krankheit schubweise verschlimmern, aber auch nachlassen. Circa 3&Mac218;4 der betroffenen Kinder sind nach der Pubertät beschwerdefrei.

Im Erwachsenenalter gleichen die Beschwerden denen bei Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich sind meist die Ohren, der Hals und das Gesicht betroffen. Weitere Symptome sind Ausfall der seitlichen Augenbrauen, doppelte Unterlidfalte, eingerissene Mundwinkel, trockene Lippen, Schrunden am Ohrläppchenansatz, vertiefte Furchungen der Haut (vor allem an der Hand), verminderte Schweißbildung, Neigung zu Kopfschuppen und Schuppung im Gesicht sowie im Bereich der oberen Körperhälfte, Hornhautverformungen und Linsentrübung. Es gibt Erwachsene, die von klein an betroffen sind. Manchmal erfolgt die Ersterkrankung erst nach dem 20. Lebensjahr. In beiden Fällen lassen die Symptome häufig mit zunehmendem Alter nach, oder sie verschwinden ganz. Dennoch sind 10 - 25% aller Neurodermitiker in höherem Lebensalter hautkrank.

Hilfe aus der Apotheke

Bei Neurodermitis können bisher nur die Symptome der Erkrankung behandelt werden, nicht die eigentliche Ursache. Neben der Therapie akuter Beschwerden hilft fachgerechte Hautpflege, Verschlimmerungen entgegenzuwirken. Neurodermitiker haben eine extrem trockene und empfindliche Haut. Sie braucht viel Fett und Feuchtigkeit. Neutrale (wirkstofffreie) Salben- und Cremegrundlagen aus der Apotheke haben sich bewährt. Am Tag kann z.B. eine Feuchtigkeitslotion, nachts Fettcreme aufgetragen werden. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach Produkten, die speziell für Neurodermitiker entwickelt wurden. Wichtig ist, dass die Produkte frei von Parfüm- und sonstigen Reizstoffen sind.

Für die Reinigung eignen sich rückfettende Badezusätze oder Duschöle beziehungsweise so genannte Syndets. Das sind seifenfreie Reinigungsprodukte. "Normale" Seifen sind ungeeignet. Ganz wichtig ist es, sich nach dem Waschen gut einzucremen! Experten empfehlen, nach dem Duschen aufs Abtrocknen zu verzichten und die Hautpflegeprodukte direkt auf die feuchte Haut aufzutragen. Dadurch vermeiden Sie überflüssige Hautreizungen und die Feuchtigkeit wird besser gespeichert. Tragen Sie falls möglich nur glatte, atmungsaktive Textilien (Baumwolle oder Seide). Kunstfasern können einen Wärmestau verursachen und den Juckreiz, die Schweißbildung und das Bakterienwachstum verstärken.

Im akuten Schub ist es vor allem der lästige Juckreiz, der die Betroffenen quält. Es gibt zahlreiche verschiedene Wirkstoffe, die helfen. Die meisten Produkte wirken gleichzeitig entzündungshemmend. Neben Salben gibt es auch Medikamente zum Einnehmen. Antihistaminika zum Einnehmen (Cetirizin, Clemastin, Demitinden, Loratadin) gibt es beispielsweise als Tropfen, Tabletten, Dragees oder Saft. Sie lindern vor allem den Juckreiz und helfen, wenn die lokale Anwendung nicht ausreicht. Die Einnahme von Antihistaminika eignet sich am besten abends. Manche Medikamente machen nämlich müde und können das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Dieser "müde-machende" Effekt ist teilweise auch gewünscht, z.B. bei starkem Juckreiz und Einschlafstörungen. Bei den "jüngeren" Antihistaminika (Loratadin, Cetirizin) sind die müde machenden Effekte weniger stark ausgeprägt.

Äußerlich angewandte Medikamente
Kortisonhaltige Zubereitungen lindern schnell die entzündlichen Prozesse und den Juckreiz. Sie eignen sich zum kurzfristigen Einsatz. Als Wirkstoff wird Hydrokortison eingesetzt. Andere Kortisonverbindungen sind verschreibungspflichtig.

Synthetische Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, juckreizstillend und schmerzlindernd. Nässende Wunden trocknen unter der Therapie schnell ab. Den Bakterien wird der Nährboden entzogen. Waschen Sie nach dem Auftragen gründlich die Hände. Gerbstoffe dürfen nicht mit dem Auge in Berührung kommen.

Lokalanästhetika (örtlich betäubende Mittel), wie beispielsweise Polidocanol unterdrücken die Schmerzempfindung und den Juckreiz. Empfindliche Personen können bei der Anwendung allerdings mit Hautausschlägen reagieren.

Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil der Haut. Als Arzneistoff wirkt er juckreizlindernd, keimabtötend und feuchtigkeitserhaltend. Bei gleichzeitiger Anwendung anderer Einreibungen kann es zu Wechselwirkungen kommen. So können kortisonhaltige Mittel beispielsweise in ihrer Wirkung verstärkt werden.

Gamma-Linolensäure aus Borretschsamen- oder Nachtkerzenöl wirkt juckreiz- und entzündungshemmend. Diese Fettsäure spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Haut, insbesondere bei der Zellerneuerung. Sie sorgt dafür, dass die Haut geschmeidig und glatt wird. Gamma-Linolensäure nimmt auch Einfluss auf das Immunsystem. Sie wird im Körper aus bestimmten, über die Nahrung aufgenommenen, Fetten hergestellt. Manchmal funktioniert dieser Umwandlungsprozess nicht richtig. Bei einem Mangel an Gamma-Linolensäure kann die Haut jucken, schuppen, austrocknen und sich immer wieder entzünden. Gamma-Linolensäure wird vor allem äußerlich zur rückfettenden Hautpflege angewandt. Aber auch die innerliche Anwendung als Nahrungsergänzung ist möglich. Über die Wirksamkeit der Gamma-Linolensäure bei Neurodermitis gibt es in der Wissenschaft noch keine einheitliche Meinung.

Tipp:
Viele Kratzwunden entstehen nachts. Um dies zu verhindern, können Sie sich mit dünnen Baumwollhandschuhen schützen und die Fingernägel kurz und glatt feilen. Fragen Sie in Ihrer Apotheke danach.

Stillen beugt vor
Für Säuglinge vorbelasteter Eltern gilt Stillen als der beste Schutz. Wenn dies nicht möglich ist, sollten Babys bis zum ersten Lebensjahr mit hypoallergener Nahrung gefüttert werden.

Entspannung und Klimatherapie
Entspannung wirkt sich positiv auf das Krankheitsbild aus. Auch eine psychologische Betreuung ist in vielen Fällen hilfreich. Besonders bewährt hat sich der längere Aufenthalt am Meer oder im Hochgebirge. Dort gibt es wenig allergieauslösende Substanzen. Außerdem bessern sich bei den meisten Betroffenen die Beschwerden durch Sonnenbestrahlung.

Wann zum Arzt?

Bei schlimmen Neurodermitisschüben sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Das Gleiche gilt, wenn sich aufgekratzte Hautstellen entzünden.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- viele Hautstellen "wund" sind
- Entzündungen entstehen
- die Beschwerden zunehmen
- die Beschwerden durch Selbstmedikation nicht verbessert werden können.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Auch Mittel zum Einreiben zeigen Wechselwirkungen, wenn sie großflächig angewandt werden.

Info:
Angaben zu etwaigen Wechselwirkungen finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne.

Gleichzeitige Anwendung mehrerer Medikamente
Wenn Sie mehrere Medikamente gleichzeitig äußerlich anwenden, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Beachten Sie die Hinweise im Beipackzettel oder befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker dazu. Harnstoff ist beispielsweise ein Wirkstoff, der in vielen Hautpflegeprodukten eingearbeitet ist. Viele Neurodermitiker nutzen entsprechende Cremes, Salben oder Lotionen zur Basispflege. Trägt man anschließend jedoch kortisonhaltige Produkte auf, kann deren Wirkung verstärkt werden. Harnstoff verbessert die Freisetzung einiger Arzneistoffe aus ihren Zubereitungen. Gleichzeitig findet deren Aufnahme in die Haut in größerem Umfang statt. Neben kortisonhaltigen Verbindungen trifft dies beispielsweise auch auf die verschreibungspflichtigen Substanzen Dithranol (Antiseptikum) und Fluorouracil (wird als Salbe u.a. bei strahlengeschädigter Haut eingesetzt) zu.

Nicht in Augennähe auftragen
Gerbstoffhaltige Medikamente dürfen nicht mit dem Auge in Berührung kommen. Waschen Sie sich daher nach dem Auftragen gründlich die Hände.
Hydrocortisonhaltige Medikamente sind nicht zur großflächigen oder dauerhaften Anwendung geeignet. Beim Vorliegen einer Allergie gegen Erdnuss- oder Sojaöl, sollte beachtet werden, dass diese pflanzlichen Öle teilweise auch bei der Zubereitung von Salben verwendet werden. Lesen Sie dazu jeweils die Angaben zu den Inhaltsstoffen.


Mittel zum Einnehmen
Antihistaminika verhindern die Wirkung juckreiz- und entzündungsfördernder Botenstoffe. Die Arzneistoffe sind im Allgemeinen gut verträglich. Es kann allerdings zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit kommen. Dadurch kann auch das Reaktionsvermögen beeinträchtigt werden. Bei den neueren Produkten sind diese Effekte allerdings nicht so stark ausgeprägt. Meistens reicht eine einmalige Einnahme pro Tag. Der optimale Zeitpunkt dafür ist abends. Müde machende Effekte stören dann weniger. Je nach Arzneistoff und Beschwerdebild können auch zwei Anwendungen morgens und abends erforderlich sein. Antihistaminika können die Wirkungen zahlreicher Medikamente beeinflussen. Alkohol oder bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel werden in ihrer Wirkung beispielsweise verstärkt. Meiden Sie solche Kombinationen.
Info
Beachten Sie außerdem die Angaben im Beipackzettel. Dort sind alle bekannten Wechselwirkungen zwischen Antihistaminika und anderen Arzneistoffen aufgeführt. Ihre Apotheke berät Sie gerne.

Gamma-Linolensäure aus Borretschsamen- oder Nachtkerzenöl wirkt juckreiz- und entzündungshemmend.Sie wird vor allem äußerlich zur rückfettenden Hautpflege angewandt. Aber auch die innerliche Anwendung als Nahrungsergänzung ist möglich. Über die Wirksamkeit der Gamma-Linolensäure bei Neurodermitis gibt es in der Wissenschaft noch keine einheitliche Meinung.

Juckreiz- und entzündungshemmende Salben
Kortisonhaltige Produkte beschleunigen die Wundheilung und lindern den Juckreiz. Entzündliche Prozesse gehen zurück. Die ohne Rezept erhältlichen Einreibungen enthalten den Wirkstoff Hydrokortison. Sie können bei akuten Beschwerden 2-3 Mal täglich dünn auf die verletzte Haut aufgetragen werden. Sie eignen sich nicht zur großflächigen oder dauerhaften Anwendung.
Synthetische Gerbstoffe werden als Gel, Creme, Fettcreme, Lotion, Puder und Badezusatz angeboten. Sie wirken entzündungshemmend, juckreizstillend und schmerzlindernd. Nässende Wunden trocknen unter der Therapie schnell ab. Die Darreichungsform Puder eignet sich nicht zum Auftragen auf offene Wunden. Synthetische Gerbstoffe dürfen nicht in der Nähe des Auges angewandt werden.
Harnstoff wirkt juckreizlindernd, feuchtigkeitserhaltend und antiseptisch. Der Wirkstoff selbst ist ein natürlicher Bestandteil der Haut. Bei äußerlicher Anwendung wird er allerdings höher konzentriert eingesetzt. Deshalb kann es beim Auftragen kurzfristig zu einem Brennen kommen. Harnstoff ist in zahlreichen medizinischen Körperpflegeprodukten eingearbeitet. Er kann die Wirkung anderer Einreibungen beeinträchtigen. Bei gleichzeitiger Anwendung kortisonhaltiger Produkte kann deren Wirkung verstärkt werden.
Bei starkem Juckreiz haben sich auch örtlich betäubende Wirkstoffe wie Polidocanol bewährt. Die Zubereitungen können bei Bedarf mehrmals täglich angewandt werden.
Gamma-Linolensäure aus Borretschsamen- oder Nachtkerzenöl wirkt juckreiz- und entzündungshemmend. Sie wird vor allem äußerlich zur rückfettenden Hautpflege angewandt. Aber auch die innerliche Anwendung als Nahrungsergänzung ist möglich. Über die Wirksamkeit der Gamma-Linolensäure bei Neurodermitis gibt es in der Wissenschaft noch keine einheitliche Meinung.

Hautpflege bei Neurodermitis
Neben der Therapie akuter Beschwerden hilft fachgerechte Hautpflege, um Verschlimmerungen entgegenzuwirken. Neurodermitiker haben eine extrem trockene und empfindliche Haut. Sie braucht viel Fett und Feuchtigkeit. Neutrale (wirkstofffreie) Salben- und Cremegrundlagen aus der Apotheke haben sich bewährt. Häufig werden auch rückfettende Badezusätze empfohlen.


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