Insektenstiche

Insektenstiche sind ein lästiges Übel. Sie dürfen nicht aufgekratzt werden, weil sich die betroffene Hautstelle ansonsten entzünden kann. Um das Schlimmste zu verhindern helfen juckreizstillende, entzündungshemmende Gele oder Cremes. Besser ist es jedoch, mit Insektenschutzmitteln vorzubeugen. Gefährlich werden Insektenstiche, wenn Krankheitserreger übertragen werden, oder wenn der Betroffene allergisch reagiert.
Ursachen und Beschwerden

Wenn die Insekten zustechen und Blut saugen, geben sie gleichzeitig hautreizende Stoffe, beispielsweise bestimmte Eiweißverbindungen ab. Diese lösen Hautrötungen und Quaddeln aus. Gerinnungshemmenden Substanzen im Speichel der Insekten verdünnen das Blut, der Saugvorgang fällt dadurch leichter. Die meisten Stiche sind nicht gefährlich, allerdings können Insekten auch Viren, Bakterien und Parasiten übertragen. Diese können schwerwiegende Krankheiten auslösen, wie z.B. Malaria in tropischen Ländern. In unseren Breiten beobachtet man häufig Infektionskrankheiten nach Zeckenstichen.

Manche Menschen zeigen eine allergische Reaktion bei Insektenstichen, insbesondere bei Bienen- und Wespenstichen. 0,4 - 4% der Bevölkerung sind davon betroffen. Innerhalb weniger Minuten schwillt die Einstichstelle massiv an, es können Atemnot, Schwindel, Erbrechen, kalter Schweiß und Herzklopfen folgen. Manchmal kommt es sogar zu einer Schockreaktion. Dabei kann die Kreislaufregulation komplett ausfallen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang auch vom allergischen oder anaphylaktischen Schock. Hier besteht Lebensgefahr! Alarmieren Sie bei den beschriebenen allergischen Reaktionen sofort den Notarzt. Bei bekannter Insektenallergie verordnet der Arzt den Betroffenen ein Notfallset. Es enthält schnell wirksame antiallergische Medikamente. Damit kann man die Zeit bis zur ärztlichen Versorgung überbrücken.

Wichtig:
Wenn der Einstich an einer ungünstigen Stelle erfolgt, kann es aufgrund der Schwellung gefährlich werden. Stiche im Rachenraum können beispielsweise die Atmung blockieren. Es besteht Erstickungsgefahr. Suchen Sie in diesem Fall sofort einen Arzt auf.

Zecken übertragen Krankheiten
Zecken können zwei verschiedene Krankheiten übertragen: die bakteriell verursachte Lyme Borreliose und die durch Viren ausgelöste Frühsommer-Meningo-Enzephalitis, kurz FSME genannt. Borreliose ist eine Erkrankung mit ungewöhnlich vielfältigen Erscheinungen. Es können zahlreiche Organe und Körperfunktionen beeinträchtigt werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Ein deutlicher Hinweis auf eine Infektion ist eine ringförmige, zunächst etwa handtellergroße Hautrötung. Sie tritt bei vielen Infizierten (nicht bei allen) im Anfangsstadium einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich auf. Die Hautrötung kann rund um die Einstichstelle oder an anderen Körperstellen entstehen. Fachleute sprechen von der chronischen Wanderröte (Erythema chronicum migrans). Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie eine solche Hauterscheinung entdecken. Neben der typischen Wanderröte werden im Frühstadium der Erkrankung auch Abgeschlagenheit, Fieber- und Kopfschmerzen beobachtet. Im weiteren Verlauf können beispielsweise Gelenke, das Nervensystem, aber auch Auge oder Herz in ihrer Funktion beeinträchtigt werden (Stadium 2). Relativ häufig wird eine Gesichtslähmung (Facialparese) diagnostiziert. Auch Hirnhautentzündung ist möglich. Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich (Stadium 3) kann es zu Blauverfärbungen und einer Verdünnung der Haut an den Händen und Füßen kommen. Viele Betroffene klagen dann auch über chronische Gelenkentzündungen.

Bei der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis beobachtet man zunächst grippeartige Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Im günstigsten Fall ist die Krankheit damit überstanden. Bei einigen Infizierten befällt das Virus jedoch das zentrale Nervensystem. Dann kann es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit kommen. Bei schweren Verlaufsformen der FSME entsteht eine Gehirnentzündung (Meningo-Enzephalitis). Hier sind nicht nur die Hirnhäute, sondern das ganze Gehirn von der Erkrankung betroffen. Neben Fieber, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit leiden manche Betroffene zusätzlich unter Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, psychischen Veränderungen oder gar Lähmungserscheinungen. Es können Restschäden zurückbleiben. Ein bis zwei Prozent der Patienten sterben, wenn das zentrale Nervensystem vom Virus befallen wurde (Quelle: Epidemiologie und Verlauf der Frühsommer-Meningo-Enzephalitis in Baden-Württemberg zwischen 1994 und 1999. Dtsch. Med. Wschr. 2000; 125: 1147-1153).

Die beste Vorbeugung gegen Borreliose und FSME ist der Schutz vor Insektenstichen, z.B. mit festem Schuhwerk, langen Hosen und Kopf- bzw. Nackenschutz. Daneben helfen auch Insektenschutzmittel. In den FSME-Risikogebieten ist eine Schutzimpfung ratsam. Ist der Insektenstich bereits erfolgt, ist ein rasches, aber fachgerechtes Entfernen der Zecke sinnvoll. Tragen Sie bei Spaziergängen in Infektionsgebieten immer eine Zeckenzange oder Pinzette bei sich.

Hilfe aus der Apotheke

Wenn Sie gestochen worden sind, können Sie durch sofortige Kühlung der Schwellung entgegenwirken. Anschließend helfen entzündungshemmende, juckreizstillende Gele oder Stifte. Sie enthalten beispielsweise Antihistaminika wie Bamipin, Dimetinden, Clemastin, Chlorphenoxamin oder Tripelennamin. Die Arzneistoffe verhindern die juckreiz- und entzündungsfördernde Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Histamin. Kortisonhaltige Einreibungen lindern schnell die entzündlichen Prozesse und den Juckreiz. Heilungsprozesse werden beschleunigt. Als Wirkstoff wird Hydrokortison eingesetzt. Andere Kortisonverbindungen sind verschreibungspflichtig.

Sonderfall Zecke
Zecken müssen schnellstmöglich entfernt werden. Ansonsten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger übertragen werden. Gut bewährt hat sich der Einsatz einer Zeckenzange. Vorbeugend helfen Insektenschutzmittel. Wer sich häufig im Wald und auf Wiesen bewegt, kann sich beim Arzt gegen die gefährliche Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) impfen lassen. Dies gilt insbesondere für die FSME-Risikogebiete. Der Arzt kann die Impfung bei Bedarf verordnen und durchführen. Auch Kinder können geimpft werden. Gegen Borreliose gibt es bislang noch keinen Impfstoff, es laufen aber entsprechende Forschungsarbeiten.
Insektenschutzmittel werden auch als Repellentien bezeichnet. Es gibt pflanzliche und chemische Wirkstoffe. Apothekenprodukte sind bezüglich ihrer Wirksamkeit und Verträglichkeit gut untersucht. Lassen Sie sich von Ihrer Apotheke beraten. Der Kauf des Präparates muss dem persönlichen Bedarf entsprechen. Zu Hause im Garten genügen meistens sanfte Mittel, um die Plagegeister abzuwehren. In Zeckeninfektionsgebieten oder in Ländern, in denen Malariaschutz empfohlen wird, sollten Sie auf stärker wirksame Produkte zurückgreifen.

Wann zum Arzt?

Wenn ein Insektenstich besonders heftige Reaktionen auslöst, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es besteht die Möglichkeit einer Insektengiftallergie.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- die Beschwerden stärker sind als üblich (z.B. starke Schwellung, Schmerzen)
- sich die Einstichstelle im Mund- oder Rachenraum befindet
- sich die Einstichstelle entzündet
- nach einem Zeckenstich Kopf- oder Gelenkschmerzen auftreten
- Sie 1-2 Wochen nach einem Zeckenstich an irgendeiner Körperstelle einen roten oder rot umrandeten Fleck entdecken (Verdacht auf Borreliose)
- kurze Zeit nach dem Stich Symptome wie Atemnot, Schwindel, Erbrechen, kalter Schweiß und Herzklopfen folgen.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Auch Einreibungen zur Linderung der Beschwerden bei Insektenstichen können bei großflächiger Anwendung zu Wechselwirkungen führen. Allgemeine Hinweise dazu finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne.

Zecken fachgerecht entfernen
Entfernen Sie die Zecke gezielt und schnell aus der Haut. Zögerliche Aktionen versetzen das Tier in Stress und es sondert vermehrt Speichel ab. Das Infektionsrisiko für Borreliose oder FSME steigt. Als Hilfsmittel eignen sich Zeckenzangen, mit denen die Zecke beim Entfernen nicht gequetscht wird. Wenn Sie sich von der Zecke befreit haben, sollten Sie die verletzte Hautstelle desinfizieren. Hausmittel wie Öl oder Klebstoff sind für das Entfernen der Zecke ungeeignet. Auch hier sondert die Zecke bedingt durch den Todeskampf vermehrt Speichel ab.


Juckreizstillende Mittel
Es gibt viele verschiedene Wirkstoffe, die bei entzündlichen Hautveränderungen, Juckreiz und Schwellungen helfen. Kortisonhaltige Produkte eignen sich besonders bei entzündeten, stark angeschwollenen Stichen. Sie beschleunigen die Wundheilung und lindern den Juckreiz. Zubereitungen mit Hydrokortison sind bis zu einer bestimmten Dosierung ohne Rezept erhältlich. Antihistaminika zeigen entzündungshemmende und juckreizstillende Effekte. Die meisten Wirkstoffe werden als Gel angeboten. Sie haben den Vorteil, dass sie zusätzlich kühlen und dadurch abschwellend wirken. Bei den meisten Produkten gilt die Empfehlung, die betroffenen Hautstellen mehrmals täglich einzureiben. Die Mittel dürfen nicht mit den Augen oder mit Schleimhäuten (Nase, Mund) in Berührung kommen. Waschen Sie deshalb nach dem Auftragen gründlich die Hände. Von einer großflächigen Anwendung ist ebenfalls abzuraten.


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