Wundversorgung

Eine der zahlreichen Aufgaben unserer Haut ist der Schutz des Körpers gegen Umwelteinflüsse (Sonnenstrahlung, Klima), Krankheitserreger und Verletzungen. Jede Schnitt-, Schürf- oder Stichwunde beeinträchtigt diese Schutzfunktion, indem sie die Haut für schädigende Keime angreifbar macht. Diese können dann ins Hautgewebe eindringen und Infektionen auslösen. Durch Säubern und Desinfizieren der Wunde können Sie der Infektionsgefahr entgegenwirken.
Ursachen und Beschwerden

Schnitt- und Schürfwunden können oberflächlich sein oder tiefer ins Gewebe gehen. Im ungünstigen Fall werden dabei größere Gefäße verletzt und es kommt zu starken Blutungen. Besonders gefährlich sind tiefere Verletzungen in der Nähe von Nerven, Sehnen oder Organen sowie in Augennähe. Durch die offene Wunde können leicht Keime tief in die Haut und auch in die Blutbahn gelangen. Dies gilt dann besonders, wenn die Wunde verunreinigt oder durch einen schmutzigen Gegenstand verursacht wurde. Wenn sich nach einiger Zeit (ca. 24 Stunden) die Wunde entzündet und es zu Schwellung, Rötung, "Pochen", Schmerzen oder Eiteraustritt kommt, sind dies Zeichen für eine Wundinfektion, die schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung führen kann. Bei jeder Verletzung, insbesondere bei stark verunreinigten Wunden besteht die Gefahr einer Tetanusinfektion, wenn kein Impfschutz vorliegt.

Typische Anzeichen einer infizierten Wunde sind:
- Schmerzen, teilweise pulsierend oder klopfend
- Schwellung
- Hautrötung
- Druckempfindlichkeit.

Tipps zur Wundbehandlung
Oberflächliche Schürfwunden und kleine Risse können unter fließendem, kaltem Wasser von Schmutz befreit werden. Zum anschließenden Desinfizieren gibt es Lösungen, Sprays, Salben oder Gele.

Bei tieferen Wunden sollten Sie nur die Wundränder mit einem sterilen Tuch (Verbandskasten/Hausapotheke) und einem Desinfektionsmittel säubern. Wenn dies nicht zur Verfügung steht (beispielsweise unterwegs), können Sie auch ein sauberes, fusselfreies Baumwolltuch anwenden. Wichtig ist, dass Sie das Wundzentrum nicht berühren. Schnittwunden, die mehr als einen Zentimeter lang sind, sollten beim Arzt genäht oder geklammert werden.

Kleine Splitter können Sie vorsichtig mit einer spitzen Pinzette entfernen. Danach die Stichwunde gleich desinfizieren. Verletzungen, bei denen Fremdkörper in die Haut eindringen, sind besonders infektionsgefährdet. Bei stark verschmutzten Gegenständen wie rostigen Nägeln sollte ein Arzt den Fremdkörper entfernen. Das Gleiche gilt, wenn der Fremdkörper tief in das Körpergewebe eingedrungen ist.

Wundschorf nicht entfernen!
Meistens bildet sich bei blutenden Wunden innerhalb von wenigen Minuten ein Wundschorf. Dieser ist eine Art natürliches Pflaster. Der Wundschorf schützt die Wunde gegen das Eindringen von Bakterien, weitere Blutverluste und das Austrocknen. Wundschorf darf nicht vorzeitig entfernt werden. Mit zunehmendem Heilungsprozess fällt er von alleine ab.

Hilfe aus der Apotheke

Trockene und strapazierte Haut ist besonders anfällig für kleine Verletzungen. Mit pflegenden, fett- und feuchtigkeitsspendenden Cremes, Salben oder Lotionen können Sie vorbeugen. Ganz wichtig ist, dass Sie regelmäßig Ihren Tetanusschutz (Wundstarrkrampf) auffrischen. Eine so genannte Grundimmunisierung erfolgt normalerweise bereits im ersten Lebensjahr. Danach wird der Impfschutz alle zehn Jahre aufgefrischt. Bei verunreinigten Wunden kann die Auffrischung auch früher nötig werden. Suchen Sie bei infizierten Wunden schnellstmöglich einen Arzt auf!

Mittel mit desinfizierender Wirkung
Jod ist ein wirksames Mittel gegen Bakterien, Pilze und Viren. Die entsprechenden Desinfektionsmittel töten die Keime ab. Sie können auf kleine und große Wunden, sowie auf das umliegende Hautgewebe direkt aufgetragen werden. Jod-Tinktur enthält reines Jod und wird nur noch selten eingesetzt. Heute verwendet man überwiegend Povidon-Jod (PVP-Jod). Bei diesem Wirkstoff ist Jod so eingebunden, dass es nur langsam freigesetzt wird. Dadurch sind diese Desinfektionsmittel besser verträglich. PVP-Jod wird nicht nur zur Desinfektion von Wunden und Schleimhäuten, sondern auch zur Operationsvorbereitung oder zur antiseptischen Händewaschung eingesetzt. Das Mittel ist schnell wirksam. Untersuchungen zu Folge soll es die Keimzahl in einer Wunde innerhalb von einer Minute von 1 Million Keime auf höchstens 10 Keime reduzieren. Durch die rotbraune Eigenfarbe der jodhaltigen Produkte lässt sich die Wirksamkeit der Desinfektion sichtbar kontrollieren. Wenn die bräunliche Eigenfarbe verblasst, wird kein Jod mehr abgegeben So kann man leicht erkennen, ob noch ausreichend Wirkstoff auf der Wunde vorhanden ist. Jodhaltige Medikamente eignen sich nicht zur Anwendung bei bestehender Schilddrüsenüberfunktion, da die Tätigkeit der Schilddrüse durch Jod angeregt werden kann.

Verschiedene Alkohole wie Ethanol, Isopropanol oder Phenoxyethanol wirken ebenfalls sehr schnell und haben ein breites Wirkspektrum. Auch bei diesen Produkten werden Bakterien, Viren und Pilze abgetötet. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist eine ausreichend hohe Konzentration des Alkohols. Manche Mittel enthalten zusätzlich weitere antiseptisch wirksame Stoffe. Reiner Ethanol oder Isopropanol wird heute vor allem zur Hautdesinfektion vor Injektionen oder zur Händedesinfektion eingesetzt. Diese Mittel sollen nicht auf Schleimhäute oder in die Nähe der Augen geraten. Beim Auftragen auf offene Hautstellen entsteht ein unangenehmes Brennen. Phenoxyethanol dagegen brennt nicht bei Kontakt mit Wundflächen. Die Kombination Phenoxyethanol/Octenidin wird zur Desinfektion von Schleimhäuten und Wunden empfohlen. Bei gleichzeitiger Anwendung von Antiseptika mit dem Wirkstoff PVP-Jod kann es zu braunen und violetten Verfärbungen kommen.

Wichtiger Hinweis:
Hochprozentige alkoholische Lösungen sind leicht entzündlich! Nicht in der Nähe einer offenen Flamme anwenden!

Chlorhexidin wird zur Behandlung oberflächlicher Wunden eingesetzt. Zur Wunddesinfektion kommt der Wirkstoff als Salbe, Spray oder Puder zum Einsatz. Die Darreichungsform Spray hat sich im Alltag bewährt (schnelle, einfache Handhabung) Chlorhexidin darf nicht in die Nähe der Augen oder auf Schleimhäute geraten.

Wichtiger Hinweis:
Puder darf nicht auf tiefe oder nässende Wunden sowie Geschwüre aufgetragen werden, da die dadurch entstehende Kruste die Vermehrung von Bakterien begünstigt.

Tyrothricin
wird als Gel oder Puder zur Wundbehandlung bei Schnitt-, Brand- und Schürfwunden eingesetzt. Die Zubereitungen können vorbeugend oder auch bei bestehenden Infektionen, beispielsweise bei eitrigen Entzündungen, angewandt werden.

Benzethonium wirkt desinfizierend bei kleineren Wunden oder Verbrennungen. Auch dieser Wirkstoff kann sowohl zur Behandlung bakterieller Hautinfektionen als auch zur Vorbeugung verwendet werden.

Wichtiger Hinweis:
Keine Anwendung im Auge, keine Behandlung großflächiger Wunden.

Ethacridinlactat wirkt gegen Entzündungen, die durch äußere Verletzungen entstanden sind. Der Wirkstoff dringt schnell in das Gewebe ein. Ethacridinlactat wird als Salbe, aber auch als Lösung angeboten. Dadurch werden desinfizierende Umschläge oder Teilbäder möglich. Ethacridinhaltige Zubereitungen sind gelb gefärbt. Bei Kontakt mit Bettwäsche und Kleidungsstücken kommt es zu Verfärbungen, wobei sich frische Flecken mit Alkohol entfernen lassen.

Mittel zur Wundheilung
Wundsalben beschleunigen den Heilungsprozess. Sie sollten jedoch nur auf oberflächliche Wunden aufgetragen werden, die nicht bluten oder nässen. Dexpanthenol und Zinkoxid fördern die Wundheilung. Die Zubereitungen können mehrmals am Tag aufgetragen werden. Zinkoxid wird manchmal mit Lebertran kombiniert. Lebertran verstärkt die hautpflegenden Effekte.

Bei den pflanzlichen Pflegemitteln hat sich der Einsatz von Extrakten des Purpursonnenhuts (Echinacea purpurea), der Zaubernuss (Hamamelis virginiana), der Kamille (Matricaria chamomilla) und der Ringelblume (Calendula officinalis) bewährt. Die Arzneipflanzen wirken antientzündlich und unterstützen die wundheilenden Prozesse. Ringelblume kommt auch in homöopathischen Einreibungen zum Einsatz.

Für jeden Hauttyp das richtige Pflaster
Die heutigen Pflaster - in der Fachsprache spricht man vom Wundschnellverband - sind mittlerweile so atmungsaktiv, dass sie dem Heilungsprozess keineswegs im Wege stehen. Sie schützen die Haut vor weiteren Verunreinigungen. Bei Kindern haben sie auch einen psychologischen Effekt. Es gibt wasserdichte, robuste oder besonders luftdurchlässige Pflaster, Pflaster für empfindliche und allergiegefährdete Haut, Pflaster mit beschichteter Wundauflage, oder bunte Pflaster speziell für Kinder. Größere Wundflächen können mit sterilen Kompressen abgedeckt werden, wobei die Kompressen dann mit einem elastischen Mullverband fixiert werden. Beim Verbandspäckchen ist die Wundauflage bereits mit der Mullbinde verbunden. Statt Mullbinden eignen sich auch Schlauchverbände zum Fixieren.

Wichtig für die Wundversorgung
Je schneller eine Wunde versorgt wird, desto besser. Überprüfen Sie deshalb regelmäßig den Bestand Ihrer Hausapotheke. Kontrollieren Sie das Verfalldatum der einzelnen Produkte. Nicht nur Desinfektionsmittel, Gele, Cremes und Salben, auch ein Teil der Verbandsstoffe sind nur begrenzt haltbar. Folgende Mittel dürfen in Ihrer Hausapotheke nicht fehlen:

- Verbandmull
- Mullbinden
- Verbandspäckchen
- sterile Kompressen
- Heftpflaster (Rolle, zum Fixieren)
- Wundschnellverbände (zum Zuschneiden und vorgeschnitten)
- Wunddesinfektionsmittel
- Wund- und Brandsalbe
- Verbandschere
- Splitterpinzette
- Desinfektionsmittel - evtl. Flüssigpflaster.

Für die Erstversorgung stumpfer Verletzungen sollte außerdem im Kühlschrank immer eine kühlende Kompresse liegen. Durch kühle Auflagen können Schmerzen und Schwellungen abgeschwächt werden.

Wann zum Arzt?

Bei Bissverletzungen, Stromunfällen, Kopf-, Augen- oder Knochenverletzungen sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- die Wunde infiziert ist
- die Wunde stark verschmutzt ist
- die Wunde groß bzw. tief ist und/oder stark blutet
- die Schnittwunde länger als 1 cm ist
- größere Verletzungen im Gesicht vorhanden sind
- Augen oder Schleimhäute behandelt werden müssen
- Fremdkörper tief in die Haut eingedrungen sind
- wenn Ihr Tetanusschutz abgelaufen ist
- ein roter Streifen von der Wunde Richtung Herz sichtbar wird (Anzeichen einer Blutvergiftung).

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Bei Bissverletzungen, Stromunfällen, Kopf-, Augen- oder Knochenverletzungen sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- die Wunde infiziert ist
- die Wunde stark verschmutzt ist
- die Wunde groß bzw. tief ist und/oder stark blutet
- die Schnittwunde länger als 1 cm ist
- größere Verletzungen im Gesicht vorhanden sind
- Augen oder Schleimhäute behandelt werden müssen
- Fremdkörper tief in die Haut eingedrungen sind
- wenn Ihr Tetanusschutz abgelaufen ist
- ein roter Streifen von der Wunde Richtung Herz sichtbar wird (Anzeichen einer Blutvergiftung).


Mittel zur Wundheilung
Dexpanthenol und Zinkoxid fördern die Wundheilung. Die Zubereitungen können mehrmals am Tag aufgetragen werden. Sie sollten jedoch nur auf oberflächliche Wunden aufgetragen werden, die nicht bluten oder nässen. Dexpanthenol macht die Haut weich und geschmeidig und kommt deshalb auch in Kosmetika zur Anwendung. Zubereitungen mit Zinkoxid decken die verletzten Stellen gut ab und verhindern ein Austrocknen der Haut. Zusätze von Lebertran verstärken die hautpflegenden Effekte. Zinkoxidhaltige Zubereitungen können beim Auftragen auf verletzte Hautstellen ein leichtes Brennen verursachen. Wenn weitere Mittel angewandt werden, kann deren Wirkung durch Zinkoxid gestört werden. Entfernen Sie deshalb die zinkoxidhaltigen Produkte, bevor Sie ein weiteres Mittel auftragen.

Mittel mit desinfizierender Wirkung
Die Art der Verletzung entscheidet, welches Desinfektionsmittel am besten geeignet ist. Einige Stoffe können beispielsweise nur zur Behandlung kleiner Wunden eingesetzt werden. Andere Mittel dürfen nicht in Kontakt mit Schleimhäuten geraten. Und wieder andere Desinfektionsmittel wirken gezielt bei bakteriellen Infektionen. Daneben gibt es auch Substanzen die Bakterien, Viren und Pilze gleichermaßen bekämpfen. Ihre Apotheke berät Sie gerne und hilft Ihnen bei der Auswahl.
Jodhaltige und ethacridinhaltige Lösungsmittel haben eine Eigenfarbe. Jod kann die Haut rotbraun färben. Ethacridinhaltige Lösungen sind gelb gefärbt.
Wichtig:
Bevor Sie Wunden behandeln, immer gut die Hände waschen! Sonst erhöhen Sie das Infektionsrisiko.

Pflanzliche Mittel zur Wundheilung
Die Extrakte des Purpursonnenhuts (Echinacea purpurea), der Zaubernuss (Hamamelis virginiana), der Kamille (Matricaria chamomilla) und der Ringelblume (Calendula officinalis) wirken entzündungshemmend und fördern die Wundheilung. Zubereitungen mit Ringelblume (Calendula) werden auch in homöopathischen Produkten angeboten. Sie enthalten Calendula-Urtinktur. Die Produkte werden mehrmals täglich auf die betroffenen Hautstellen dünn aufgetragen. Sie dürfen jedoch nicht auf offene Wunden aufgetragen werden. Bei leichten Verletzungen ist auch eine Behandlung der oberen Hautschichten möglich. Die Mittel können dann leicht einmassiert werden.


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