Verstopfung

Die Häufigkeit des Stuhlgangs ist individuell verschieden. Stuhlgangshäufigkeit zwischen 3 mal pro Tag bis zu 3 mal pro Woche gilt als normal. Ausschlaggebend ist nicht die Häufigkeit der Darmentleerung, sondern die Beschaffenheit und die Beschwerden beim Ausscheiden des Stuhls. Der Fachausdruck für Verstopfung lautet Obstipation. Laut Statistik klagt jeder dritte über 60-jährige darüber. Viel Bewegung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffreiche Kost regen die Darmtätigkeit an.
Ursachen und Beschwerden

In den meisten Fällen liegt der Verstopfung keine ernsthafte Krankheit zugrunde. Häufig werden zu früh Abführmittel eingenommen. Durch den Dauergebrauch von Abführmitteln verringert sich die Darmtätigkeit noch weiter, und es kann zu chronischen Darmerkrankungen kommen. Deshalb sollten zunächst alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Bei den Abführmitteln sollten Präparate mit Quell- oder Füllstoffen als erstes angewendet werden. Auch osmotische Abführmittel oder Glycerinzäpfchen greifen nicht direkt in die natürliche Verdauung ein. Diese Präparate können auch häufiger oder über einen längeren Zeitraum genommen werden, sie sind auch während der Schwangerschaft geeignet. Abführmittel mit anderen Wirkprinzipien z.B. Verdauungsanregung durch Beeinflussung des Wasserhaushaltes des Darms, sollten nur kurzfristig oder in Ausnahmefällen (Reise, Krankenhaus) eingenommen werden. Auch die pflanzlichen Abführmittel dieses Wirkprinzips führen zu Wasser- und Salzverlusten. Dabei erzeugt der Verlust von Kalium erneut eine Darmträgheit. Sehr schnell kommt es zu einer Abhängigkeit von Abführmitteln und dadurch langfristig zu Darmschleimhautschädigungen.

Häufige Ursachen für Verstopfungen

Falsche Ernährung: Trinken Sie 2-3 Liter Flüssigkeit, am besten Wasser oder Tee. Kaffee darf nicht mitgerechnet werden, er entzieht dem Körper Flüssigkeit. Ganz wichtig sind auch Ballaststoffe. Weizenkleie hat beispielsweise kaum Kalorien und kann in Joghurt, Saft und Suppen eingerührt werden. Obst und Gemüse enthalten nicht nur Ballaststoffe, sondern auch wertvolle Vitamine. Außerdem belasten Sie nicht, füllen aber den Darm. Das ist ganz wichtig, damit der Darm "etwas zu tun hat" und nicht zunehmend träger wird.

Bewegungsmangel: Bewegung regt die Verdauungstätigkeit an. Bewegen Sie sich so oft es geht. Bauen Sie jeden Tag 30 Minuten flottes spazieren gehen ein. Wer sich zu wenig bewegt, bekommt schlaffe Bauchmuskeln. Das begünstigt Verstopfung.

Medikamente: Einige Medikamente können eine Verstopfung verursachen. Dazu zählen Eisenpräparate, Medikamente gegen psychische Störungen, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Schmerzmittel, Präparate gegen Sodbrennen und Beta-Rezeptoren-Blocker.

Abführmittel: Abführmittel dürfen nur kurzfristig angewandt werden. Der Darm gewöhnt sich an diese Medikamente und wird dadurch noch träger.

Psychische Faktoren: Einige Menschen reagieren mit Verstopfung, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind, oder fremde Toiletten benutzen müssen. Sie unterdrücken, meist unbewusst, ihren Stuhldrang. Stressgeplagte Menschen schaffen sich ihre Verstopfung häufig selbst: Aus vermeintlichem Zeitmangel unterdrücken sie, ebenfalls unbewusst, den Toilettengang.

Darmträgheit: Wenn das Bewegungsvermögen im Darm gestört ist, führt dies zu Verstopfung. Der Speisebrei wird zu langsam weitertransportiert. Dadurch wird dem Speisebrei mehr Wasser als nötig entzogen und der Stuhl wird hart.

Darmverengungen: Der Darm kann an verschiedenen Stellen Verengungen (Stenosen) aufweisen. Dadurch kann es zu Verstopfung kommen.

Andere Erkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, die Parkinsonsche Erkrankung, Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenerkrankungen können Verstopfung begünstigen.

Hilfe aus der Apotheke

Für Abführmittel gilt die Empfehlung: Nicht länger als 1-2 Wochen einnehmen, egal ob synthetisch oder pflanzlich. Eine Dauereinnahme ist nur angezeigt, wenn der Arzt dazu rät. Kinder sollten ebenfalls nur nach ärztlicher Anweisung Abführmittel bekommen.

Neben akuter Verstopfung (beispielsweise im Urlaub durch Kostumstellung) ist die Einnahme von Abführmitteln sinnvoll
- bei schmerzhaften Erkrankungen am After
- zur Entleerung des Darms vor einer Operation oder einer Röntgenuntersuchung
- zur Vermeidung der Bauchpresse bei Gefäßerkrankungen oder nach Operationen.

Es gibt sehr viele verschiedene Abführmittel mit unterschiedlichen Wirkprinzipien. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Apotheker um Rat zu fragen. So können Sie sicher sein, dass das ausgewählte Mittel Ihren Bedürfnissen gerecht wird. Außerdem können zahlreiche Abführmittel mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten.

Bei leichten Verstopfungen sind Füll- und Quellstoffe wie Leinsamen, Weizenkleie oder indischer Flohsamen hilfreich. Es kann allerdings einige Tage dauern, bis sie wirken. Trinken Sie während der Anwendung viel Wasser. Nur dann können die Stoffe aufquellen und den Darm füllen, wodurch die Darmtätigkeit angeregt wird.

Einläufe eignen sich, wenn harte Kotballen im Enddarm zurückbleiben. Die Einlaufflüssigkeit enthält Salze, die Wasser binden. Dadurch quillt der verhärtete Stuhl auf und kann leichter ausgeschieden werden. Das Gleitmittel Glyzerin weicht ebenfalls die im Enddarm liegenden Kotballen auf und der Stuhl geht ohne Schmerzen ab.

Rein pflanzlich heißt nicht "schwach wirksam" oder "ohne Gefahr": Sennesblätter und Sennesfrüchte sind der Beweis dafür. Sie wirken stark abführend und können bei schweren Verstopfungen eingesetzt werden. Sennesblätter und -früchte reizen die Darmwand und regen dadurch den Darm an. Der Speisebrei wird schneller transportiert. Die Anwendung sollte nicht länger als zwei Wochen dauern, der Darm gewöhnt sich sonst an die "Reize". Außerdem kann durch das ständige Abführen der Mineralhaushalt durcheinander geraten. Es kommt zu Kaliumverlusten, die neben der Darmmuskulatur auch die restlichen Muskeln oder das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen können.

Die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat regen ebenfalls den Darm durch Reizsignale an. Dieser reagiert mit stärkeren Bewegungen und der Nahrungsbrei wird schneller transportiert. Auch hier gilt: nicht länger als zwei Wochen anwenden.

Salze (Bittersalz), Zucker (Milchzucker, Lactulose) und Alkohole (Macrogol) zählen zu den Wasser bindenden Abführmitteln. Sie brauchen viel Wasser, um zu wirken. Mit Wasser eingenommen bilden sie eine Lösung. Wenn die Flüssigkeit im Darm ankommt, kann harter Stuhl aufgeweicht werden. Durch die erhöhte Flüssigkeitsmenge entsteht ein Druck auf die Darmwand (Volumenvergrößerung) und die Darmtätigkeit wird angeregt. Es kommt zu einer abführenden Wirkung. Salze können bei längerer Anwendung den Mineralstoffhaushalt durcheinander bringen.

Macrogol wird nicht aus dem Darm in den Körper aufgenommen und unverändert ausgeschieden. Auch bei einer regelmäßigen Einnahme besteht keine Gefahr der Gewöhnung. Es eignet sich zur Behandlung der chronischen Verstopfung und kann bei Bedarf länger als 2 Wochen angewandt werden.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie dauerhaft Abführmittel einnehmen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der ständige Gebrauch von Abführmitteln führt zu Störungen im Salz- und Wasserhaushalt.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- Sie starke Schmerzen oder heftige Krämpfe im Bauch verspüren
- Ihre Verdauungsbeschwerden längere Zeit anhalten
- wenn Verstopfung und Durchfall abwechselnd auftreten
- wenn Blut oder Schleim mit dem Stuhl ausgeschieden werden
- Sie appetitlos sind und an Gewicht verlieren.

Was Sie beachten sollten

Abführmittel nur kurzfristig anwenden!
Viele Abführmittel führen zu einer Gewöhnung. Man braucht bei Dauergebrauch immer höhere Dosierungen, um eine Wirkung zu erzielen. Damit erhöht sich auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und Folgeschäden. Die Darmschleimhaut wird gereizt, es kann zu einer Verdünnung der Darmwand kommen. Hämorrhoiden werden verschlimmert. Es entwickeln sich Entzündungen und Geschwüre. Durch das ständige Abführen verliert der Körper viele wichtige Salze. Der Mineralhaushalt gerät ins Ungleichgewicht. Dies beeinträchtigt wiederum den Stoffwechsel. Muskelkrämpfe und Herzrhythmusstörungen sind die Folge. In ganz schlimmen Fällen kommt es sogar zu einer Darmlähmung. Um davon weg zu kommen, sollten Sie Ballaststoffe essen, sich viel bewegen und viel trinken. Fragen Sie Ihren Apotheker nach Elektrolyt-Gemischen, um die Salzverluste auszugleichen. Wer ständig Abführmittel einnimmt, leidet meistens unter Kaliummangel. Dieser äußert sich durch Schweregefühl in den Muskeln, Herz-Kreislauf-Beschwerden und vor allem durch Verstopfung. Ein Teufelskreis entsteht.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Zahlreiche Abführmittel können mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Eine große Rolle spielt dabei der Kaliumhaushalt. Der Dauergebrauch von Abführmitteln verursacht einen Kaliumverlust. Dadurch kann die Wirkung von Herzglykosiden (Digitalispräparate) verstärkt werden. Kortison-Präparate und Medikamente, die den Wasserhaushalt beeinflussen (Diuretika), können Kaliumverluste zusätzlich verstärken. Dann kann es zu Herz-Kreislaufstörungen und Muskelerschlaffung kommen. Antibiotika können dagegen die Wirkung von Abführmitteln aufheben


Abführmittel
Bisacodyl wirkt etwa 8-12 Stunden nach der Einnahme. Erfolgt die Anwendung morgens auf nüchternen Magen, kann die Wirkung bereits nach 5 Stunden einsetzen. Zäpfchen führen kurzfristig zur Darmentleerung (nach 30-60 Minuten). Der Wirkstoff Natriumpicosulfat wird als Tropfen, Tabletten, Pastillen, Täfelchen oder Kapseln angeboten. Er wirkt bei diesen Darreichungsformen nach etwa 4 bis 6 Stunden.
Bittersalz und Milchzucker zählen zu den wasserbindenden Abführmitteln. Trinken Sie deshalb ausreichend bei der Anwendung, sonst gerät der Mineral- und Wasserhaushalt ins Ungleichgewicht. Glyzerin-Zäpfchen werden nicht ins Blut aufgenommen und eignen sich deshalb auch zur Behandlung von Kindern und Schwangeren. Die Wirkung setzt 20-30 Minuten nach der Verabreichung ein.

Pflanzliche Abführmittel, Abführtees
Flohsamenschalen, Weizenkleie und Leinsamen können nur wirken, wenn Sie viel Wasser dazu trinken. Sie quellen dadurch auf und nehmen an Volumen zu, dadurch kommt der Darm in Bewegung. Es dauert allerdings einige Tage bis die Wirkung einsetzt.
Produkte, die Sennesblätter oder Sennesfrüchte als Hauptwirkstoff enthalten, wirken stark abführend. Wenden Sie diese Präparate abends nach dem Essen an. Sie wirken innerhalb von 8 bis 12 Stunden. Am nächsten Morgen ist also mit Stuhlgang zu rechnen. Ganz wichtig: Sennesblätter und -früchte eignen sich nur zur kurzfristigen Anwendung (nicht länger als zwei Wochen).

Einläufe
Einläufe werden nicht nur bei Verstopfung , sondern auch zum Abführen vor Geburten oder vor Untersuchungen des Darms angewandt. Mit Hilfe eines Klistiers wird Flüssigkeit über den After in den Darm gepresst. Dadurch wird der Darmtätigkeit angeregt. Die Wirkung setzt spätestens nach 20 Minuten ein. Bei dauerhafter Anwendung gewöhnt sich der Darm an den Dehnungsreiz.


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