Potenzstörungen

Unter Impotenz, Erektions- oder Potenzstörungen versteht man die Unfähigkeit des Mannes, eine für den normalen Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten. Die Ursachen sind vielfältig. Potenzstörungen können psychisch und körperlich bedingt sein. Nicht nur ältere, auch jüngere Männer sind betroffen. Mit steigendem Alter und mit zunehmendem Ausmaß chronischer Erkrankungen steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Potenzproblemen.
Ursachen und Beschwerden

Potenzstörungen liegen vor, wenn sich der Penis trotz sexueller Erregung nicht versteift bzw. der Mann die Erektion nicht halten kann. Der Geschlechtsverkehr kann dann nicht mehr befriedigend ausgeführt werden. Manchmal sind die Störungen nur vorübergehend. Je nach Ursache kann es aber auch zum vollständigen Verlust der Erektionsfähigkeit kommen.

Der Penis enthält Schwellkörper, deren Gefäße sich bei einer Erektion erweitern und vermehrt mit Blut füllen. Während der Erektion ziehen sich die Muskeln um diese Blutgefäße zusammen und verhindern das schnelle Abfließen des Blutes. Gelegentliche Erektionsstörungen sind normal und können in jedem Alter vorkommen. Moderne Forschungsergebnisse zeigen, dass Potenzstörungen häufiger organische Ursachen haben als bisher angenommen. Bei Potenzstörungen psychischer Ursache kann eine erstmalige Erektionsstörung dazu führen, dass der Mann beim nächsten Mal unter einem starken Leistungsdruck steht, was wiederum zu erneuten Erektionsschwierigkeiten führen kann. Für eine organische Ursache spricht, wenn überhaupt keine Erektionen mehr stattfinden. Mit zunehmendem Alter treten Potenzstörungen häufiger auf. Grund dafür ist abnehmendes sexuelles Verlangen wegen geringerer Hormonproduktion sowie altersbedingte Schädigungen der Schwellkörper. Finden noch unwillkürliche, nächtliche oder morgendliche Erektionen statt, und treten die Probleme bei der Selbstbefriedigung nicht auf, stecken meist psychische Ursachen hinter den Störungen.

Die Ursachen dafür können psychisch und körperlich bedingt sein. Belastungen, Stress oder Konflikte in der Partnerschaft sind häufige Auslöser für eine erektile Dysfunktion. Viele Männer reagieren in dieser Situation enttäuscht und beschämt. Je länger die Störung anhält, desto größer wird der Erwartungsdruck. Die Betroffenen entwickeln Versagensängste, was die Potenzstörungen weiter verstärkt. Durch offene Gespräche in der Partnerschaft und den Abbau von Stress kann man das Problem entschärfen. Viele Betroffene finden auch durch eine kurzzeitige psychologische Beratung wieder zurück zur Normalität. Während psychisch verursachte Potenzstörungen plötzlich auftreten und häufig nur vorübergehend das Sexualleben beeinträchtigen, kommt es bei den körperlich bedingten Störungen in der Regel allmählich und anhaltend zum Verlust der Erektionsfähigkeit.

Mögliche Ursachen von Potenzstörungen sind:
- Arterienverkalkung, Arteriosklerose
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Nervenkrankheiten
- Depressionen
- Hormonelle Störungen
- Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Mittel gegen Bluthochdruck, Blutfettsenker, Psychopharmaka)
- Übermäßiger Verzehr von Alkohol und/oder Nikotin
- Zustand nach einer Prostataoperation
- Probleme in der Partnerschaft
- Leistungsdruck, Versagensängste
- Stress, Müdigkeit

Was Sie tun können

- Psychische Probleme sollten in jedem Fall besprochen werden: Entweder mit der Partnerin oder mit einem Experten (Arzt, Sexualtherapeut)
- Nicht zu hohe Anforderungen in sexueller Hinsicht an sich selbst stellen und Zeit für den Geschlechtsverkehr nehmen.
- Zuviel Alkohol und Zigaretten vermeiden.
- Die Einnahme von gefäßerweiternden Substanzen, z.B. Yohimbin, kann Erektionsstörungen bessern. 
- Präparate mit Sildenafil (z.B. Viagra) oder entsprechende Nachfolgesubstanzen enthalten einen Wirkstoff, der die Durchblutung im Schwellkörper anregt.  Allerdings sind die Produktangaben bezüglich Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und die Gegenanzeigen genau zu beachten. So darf Sildenafil u. a. bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht eingenommen werden. 
- Andere Präparate enthalten den Wirkstoff Apomorphin (z.B. Ixense), Der Angriffspunkt von Apomorphin ist ein anderer als der von Sildafenil: Die apomorphinhaltigen Medikamente wirken durch einen zentralen Mechanismus direkt im Gehirn. Über eine Stimulation verschiedener Rezeptoren im Gehirn wird der natürliche Erektionsprozess verstärkt. 
- Auch eine äußerliche Anwendung von gefäßerweiternden Mitteln (z.B. Salbe mit Bamethan) kann versucht werden.
- Präparate mit spanischer Fliege, Strychnin oder Nitroverbindungen (meist ausländische Produkte von recht zweifelhafter Herkunft) haben gefährliche oder zumindest unangenehme Nebenwirkungen und steigern kaum die Erektionsfähigkeit.

Hilfe aus der Apotheke

Die Ursache von Potenzstörungen muss durch einen Arzt (Urologe) abgeklärt werden, damit eine gezielte Behandlung möglich wird. Bei ungesundem Lebenswandel hilft manchmal schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie der Abbau von Stress tragen entscheidend dazu bei. Treten die Störungen als Nebenwirkung einer Medikamenteneinnahme auf, kann der Arzt möglicherweise ein besser verträgliches Arzneimittel verordnen. Sind die Ursachen organisch bedingt, kann eine spezielle Therapie die eigentliche Erkrankung bekämpfen und die dadurch bedingten Potenzprobleme ausgleichen.

Wenn die Potenzstörungen nicht als Folge anderer Erkrankungen auftreten, sondern beispielsweise durch Erschöpfungszustände bedingt sind, können gefäßerweiternde oder durchblutungsfördernde Mittel helfen. Die Medikamente sind ohne Rezept erhältlich und sorgen dafür, dass der Penis besser mit Blut versorgt wird. Dadurch verbessert sich auch die Erektionsfähigkeit. Bewährt haben sich beispielsweise Wirkstoffkombinationen aus Bamethan und Benzylnicotinat, die als Rektalkapsel angeboten werden. Bei den rein pflanzlichen Medikamenten kommen vor allem die Extrakte der Yohimberinde und entsprechende Kombinationen zum Einsatz. Auf homöopathischer Basis wird die stimulierende Wirkung von Keuschlamm (Mönchspfeffer) genutzt. Bei regelmäßiger Einnahme wirken sie sexuellen Störungen bei Männern entgegen.

Wann zum Arzt?

Potenzprobleme können mit dem Hausarzt, dem Urologen oder dem Psychologen besprochen werden. Der Urologe nimmt dabei eine zentrale Funktion ein. Er kann organische Störungen erkennen, aber auch beurteilen, wann der Psychologe helfen kann. Der Hausarzt betreut den Patienten, falls eine längere Behandlung nötig wird oder eine organische Erkrankung die Probleme auslöst. Um die Ursache für die erektile Dysfunktion zu erkennen, sind allgemeine Kontrolluntersuchungen (Blutbild, Blutdruckmessungen) erforderlich. Häufig stellt der Arzt auch Fragen über das Sexualleben. Je genauer der Arzt über die Art der Störung informiert wird, desto schneller und besser kann die Therapie beginnen. In vielen Fällen wird auch der Partner zu den Gesprächen mit dem Arzt eingeladen.

Gehen Sie zum Arzt, wenn
- Potenzprobleme wiederholt auftreten
- Potenzprobleme das Sexualleben ganz allmählich und zunehmend stärker beeinträchtigen (Hinweis auf eine - wenn Sie durch psychische Probleme stark belastet werden und ihr Sexualleben aus dem Gleichgewicht gerät.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nebenwirkungen
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Das gilt auch für pflanzliche Medikamente. Angaben zu den einzelnen Produkten finden Sie im Beipackzettel. Beachten Sie vor allem die Informationen unter den Rubriken "Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Gegenanzeigen". Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne. Beachten Sie die Dosierungsanleitung der einzelnen Produkte.

Gegenanzeigen bei potenzsteigernden Mitteln
Potenzsteigernde Mittel fördern die Durchblutung. Damit nehmen sie Einfluss auf die Funktion der Blutgefäße und das Herz-Kreislaufsystem. Die meisten Mittel dürfen nicht angewandt werden bei Herzrhythmusstörungen, Verengungen der Schlagader oder bei erhöhtem Herzinfarktrisiko. Bei den bamethanhaltigen Mitteln gilt die Anwendungsbeschränkung auch für schlecht eingestellte Diabetiker oder Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion.


Durchblutungsfördernde Mittel gegen Potenzstörungen
Der Wirkstoff Bamethan bewirkt eine Weitstellung der Blutgefäße. Dadurch wird der Penis besser durchblutet und eine Erektion ermöglicht. Bamethan schlägt jedoch nur an, wenn die Blutgefäße, die den Penis versorgen, intakt sind. Kombinationen mit Benzylnikotinat verstärken die durchblutungsfördernden Effekte. Zur akuten Herbeiführung einer Erektion empfehlen die Hersteller, etwa eine Stunde vor dem geplanten Geschlechtsverkehr zwei Rektalkapseln in den After einzuführen. Zur Langzeitbehandlung sexueller Störungen können 2-3 Rektalkapseln täglich über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen eingeführt werden.
Wichtiger Hinweis: Bevor Sie diese Mittel anwenden, sollten Sie unbedingt die Angaben im Beipackzettel unter den Rubriken Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen lesen. Die Mittel dürfen bei bestimmten Herzerkrankungen, schlecht eingestelltem Diabetes mellitus oder bei bestehender Schildrüsenüberfunktion nicht angewandt werden. Bei gleichzeitiger Einnahme von blutzuckersenkenden Tabletten kann deren Wirkung verringert werden.

Homöopatische Mittel
Vitex agnus castus ist der botanische Name für Keuschlamm oder Mönchspfeffer. Der Strauch trägt schwarze Früchte mit je vier Samen. Sie schmecken pfefferartig scharf. Daher auch der Name "Mönchspfeffer". Die Pflanze soll im Mittelalter den Mönchen zur Unterdrückung ihrer geschlechtlichen Triebe verholfen haben. So wirkt die Pflanze in hohen Dosen. Die Mönche wurden "keusch" wie ein "Lamm" (Keuschlamm). In niedriger Dosierung zeigt Mönchspfeffer bei Männern jedoch eine anregende Wirkung auf die Geschlechtsorgane. Dementsprechend wird die Arzneipflanze auch als Aphrodisiakum genutzt. Homöopathisch kommen D2-Potenzen zum Einsatz. Die Zubereitungen sollen über einen längeren Zeitraum (1-3 mal täglich eine Tablette) eingenommen werden.
Wichtiger Hinweis: Hinweise aus Tierversuchen deuten auf eine Beeinträchtigung der Wirkung bestimmter Arnzeistoffe hin. Betroffen sind bestimmte Neuroleptika (Chlorpramazin, Haloperidol) oder Mittel die die Magen-Darm-Bewegung fördern (Mittel gegen Erbrechen wie Domperidon oder Metoclopramid).
Mönchspfeffer kommt auch bei Frauen zum Einsatz. Hier wirken die Extrakte ausgleichend auf den weiblichen Hormonhaushalt ein. Sie kommen beispielsweise beim Prämenstruellen Syndrom, bei menstruellen Störungen oder bei Beschwerden in den Wechseljahren zum Einsatz.


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