Rheumatische Erkrankungen

Rheuma ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen unterschiedlicher Ursache, die oft auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Das Wort "Rheuma" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Fließen oder Reißen. Mittlerweile sind circa 450 verschiedene rheumatoide Erkrankungen bekannt. Die Krankheitsbilder können in vier Gruppen unterteilt werden. Man unterscheidet zwischen Arthrose, Arthritis, Gicht und Weichteilrheumatismus.
Ursachen und Beschwerden

Rheuma ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen unterschiedlicher Ursache, die oft auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Allen rheumatischen Erkrankungen ist eines gemeinsam: Sie betreffen das Binde- und Stützgewebe des Bewegungsapparates und häufig auch innere Organe (z.B. Herz, Gefäße, Lunge, Leber, Darm). Man unterscheidet entzündliche oder durch ständige Abnutzung (degenerativ) bedingte Rheumaarten. Bei einigen Rheumaformen steckt eine sog. Autoimmunreaktion des Körpers dahinter. Man versteht darunter, dass der Körper selbst Abwehrstoffe gegen körpereigenes Eiweiß bildet. Bestimmte Antikörper, die im Blut nachgewiesen werden können, heißen Rheumafaktoren.

Man unterscheidet folgende vier Erkrankungstypen:

Weichteilrheumatismus
Muskeln, Bänder, Sehnen und Schleimbeutel sind schmerzhaft verändert. Sowohl Abnutzungserscheinungen als auch entzündliche Prozesse, Verletzungen, Fehlhaltungen und Verspannungen können dazu beitragen.
 
Degenerativ-rheumatische Erkrankungen (z.B. Arthrose)
Durch Abnutzung kommt es zu Verschleißerscheinungen an den Gelenken, diese schwellen an und schmerzen und werden im weiteren Verlauf in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Der Gelenkknorpel verliert mit zunehmendem Alter oder durch starke Beanspruchung seine stoßdämpfende und gelenkschützende Funktion. Anfangs entstehen kleine Risse im Knorpel, im fortgeschrittenen Stadium ändern sich ganze Gewebestrukturen. Schließlich wird das Knorpelgewebe zerstört und durch Narbengewebe ersetzt. Das Knorpelgewebe ist "degeneriert". Es hat seine Struktur und Funktion verloren.
 
Entzündliche Rheumaformen: rheumatisches Fieber oder chronische Arthritis
Beide Erkrankungen sind Autoimmunerkrankungen, es kommt zu Entzündungen der Gelenke mit Schmerzen, Schwellungen und Steifheit. Die entzündeten Gelenke schmerzen, schwellen an und werden steif. Je nach Krankheitsbild kann es auch zu Verformungen der Gelenke kommen. Wenn Bakterien die Gelenke befallen und Entzündungen auslösen, spricht man von infektiöser Arthritis. Dies ist beispielsweise bei Borreliose der Fall. Diese Krankheitserreger (Borrelien) werden durch Zecken übertragen. Eine infektiöse Arthritis kann auch als Komplikation bei Mumps, Röteln, Windpocken, rheumatischem Fieber, Gonorrhöe oder Tuberkulose auftreten.

Gicht
Harnsäure wird in den Gelenken abgelagert wird. Dadurch entstehen entzündliche Prozesse und Schmerzen. Ursache dafür sind Stoffwechselstörungen.

Hilfe aus der Apotheke

Es gibt zahlreiche rheumatische Krankheitsbilder, die unterschiedlich therapiert werden. Ein Ziel steht allerdings auf jedem Behandlungsplan: die Schmerzen zu bekämpfen. Man setzt dabei schmerzwirksame Mittel zum Einnehmen oder Einreiben ein. In vielen Fällen helfen wärme- und durchblutungsfördernde Maßnahmen. Bei entzündlichen Prozessen können sich die Beschwerden dadurch jedoch verschlimmern. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Diagnose Ihrer Erkrankung kennen.

Schmerz- und entzündungshemmende Einreibungen helfen bei Verschleißerkrankungen der Gelenke (Arthrose) und verschiedenen Formen des Weichteilrheumatismus. Hersteller empfehlen die Anwendung beispielsweise bei Entzündungen der Muskeln, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Bänder und/oder Gelenkkapseln sowie bei Muskelverspannungen. Die Zubereitungen enthalten Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen, Salicylsäure-haltige Verbindungen, Piroxicam und Indometacin. Diese Arzneistoffe werden auch bei Rückenschmerzen, Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen zur Schmerzlinderung eingesetzt. Bei großflächiger Anwendung erhöht sich das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.

Wärmende und durchblutungsfördernde Einreibungen wirken schmerzlindernd. Sie eignen sich bei nicht entzündlichen rheumatischen Beschwerden. In den entsprechenden Einreibungen findet man beispielsweise Wirkstoffe wie Nicoboxil und Nonivamid. Beide Substanzen ergänzen sich in ihrer Wirkung. Nicoboxil erweitert die Blutgefäße und erhöht so die Durchblutung am Anwendungsort. Dadurch kann Nonivamid besser bzw. schneller wirken. Nonivamid ist eine synthetisch hergestellte Substanz, die in ihrer Wirkung dem Cayennepfeffer entspricht. Nonivamid erweitert ebenfalls die Blutgefäße, unterbricht jedoch gleichzeitig die Schmerzweiterleitung der Nervenfasern. Der schmerzlindernde Effekt kann Stunden bis Tage anhalten. Durch die Gefäßerweiterung entsteht ein Wärmegefühl.

Nonivamid wird nicht nur in Cremes oder Salben verarbeitet, sondern auch in Wärmepflastern. Cayennepfeffer ist die natürliche Alternative zu Nonivamid. Er wird aus Extrakten der scharfen Paprika (Pepperoni, spanischer Pfeffer) hergestellt.

Wenn die rheumatischen Beschwerden nicht mit Entzündungen einhergehen, hilft auch die Wärmetherapie mit Fango (italienisch, Fango = Schmutz oder Brei). Der Mineralschlamm wird mit etwa 45-50 Grad Celsius aufgelegt. Die Behandlungsdauer liegt zwischen 20 und 40 Minuten. In den behandelten Körperregionen wird die Durchblutung stark erhöht. Schmerzen werden so gelindert. Fangopackungen können mehrfach verwendet werden.

Durchblutungsfördernde und wärmende Bäder enthalten beispielsweise Fichten-, Kiefernnadelnöl oder Wacholder. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach Entspannungs- oder Rheumabädern.

Schmerzmittel
Bei starken Beschwerden helfen neben der lokalen Behandlung auch Schmerzmittel zum Einnehmen. Trinken Sie zur Einnahme von Tabletten, Dragees oder Kapseln immer ein großes Glas Wasser. So kann sich die Wirkung am besten entfalten. Zur Therapie eignen sich Wirkstoffe wie Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure.) Die Wirkstoffe werden allgemein zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen eingesetzt. Zur Einnahme von Schmerzmitteln gilt die Empfehlung: nicht länger als drei Tage hintereinander oder öfter als zehn Tage im Monat anwenden!

Wann zum Arzt?

Bei rheumatischen Beschwerden sollte ein Arzt die Diagnose stellen. Manche Krankheitsbilder können selbst behandelt werden, andere erfordern ärztliche Kontrolle. Dies trifft vor allem bei entzündlichen Erkrankungen und bei Gicht zu.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn:
- Sie starke oder ständig Schmerzen haben
- die Bewegung stark eingeschränkt ist
- während einer Gelenkerkrankung Fieber dazu kommt.

Was Sie beachten sollten

Schmerzlindernde Einreibungen nicht großflächig anwenden!
Wenn Sie schmerzlindernde Cremes, Salben oder Gele anwenden, sollten Sie nur die erkrankten Körperstellen behandeln. Bei großflächiger Anwendung über längere Zeit können die Wirkstoffe in größerem Umfang in die Blutbahn gelangen. Dadurch kann der ganze Organismus beeinträchtigt werden. Es kommt zu Nebenwirkungen, beispielsweise Magen-Darm-Störungen. Die Wirkung anderer Arzneistoffe kann zudem beeinträchtigt werden. Werden nur kleine Hautbezirke behandelt, bleibt die Wirkung lokal beschränkt.
Wärme oder Kälte?

Rheuma kann sowohl mit Wärme als auch mit Kälte behandelt werden. Kälte hilft, wenn die Gelenke akut entzündet sind. Die betroffenen Körperstellen sind warm, gerötet und geschwollen. Zur lokalen Therapie eignen sich kühlende Kompressen.

Wärmeanwendungen fördern die Durchblutung der betroffenen Körperregion und dämpfen dadurch Schmerzen. Wärmende oder durchblutungsfördernde Mittel helfen bei chronischen und verschleißbedingten Gelenkveränderungen.


Schmerzlindernde Einreibungen
Diclofenac, Ibuprofen, Piroxicam und Salicylsäure haltige Verbindungen wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Die Wirkstoffe werden als Salben, Gele, Cremes, Lösung oder Spray direkt auf die betroffene Stelle gegeben. Meist gilt die Empfehlung, die Einreibungen 3 bis 4mal täglich anzuwenden. Die Zubereitungen dürfen nicht auf offene Wunden, entzündete Hautstellen oder auf Schleimhäuten aufgetragen werden. Nach der Anwendung solten Sie gleich die Hände waschen, damit die Einreibungen nicht in die Augen gelangen.

Wärmende und durchblutungsförderne Mittel
Wärmende Salben, Cremes oder Pflaster regen die Durchblutung an und wirken Schmerzen entgegen. Die Anwendung darf nicht auf Schleimhäuten, offenen Wunden oder erkrankten Hautstellen erfolgen. Reinigen Sie sich nach dem Auftragen der wärmenden Salben, Cremes oder Pflaster gründlich die Hände. Die enthaltenen Wirkstoffe dürfen nicht in die Augen gelangen. Meiden Sie zusätzliche Wärmezufuhr im Schmerzgebiet, wenn Sie Wärmepflaster benutzen. Die Haut kann sonst geschädigt werden. Wärmepflaster dürfen nur über einen kurzen Zeitraum angewandt werden. Achten Sie auf die Dosierungshinweise der Hersteller.

Wärmetherapie mit Fango
Fango-Wärmepackungen werden etwa 20-40 Minuten lang auf die erkrankten Körperstellen gelegt. Sie wirken durchblutungsfördernd, entspannend und schmerzlösend. Nur unverletzte Hautstellen dürfen behandelt werden (keine offenen Wunden). Die Wärmetherapie mit Fango eignet sich nicht bei akuten rheumatischen Schüben, unklaren Hauterkrankungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, Kreislaufschwäche, Tuberkulose oder schwerer vegetativer Dystonie.

Rheumabäder
Rheumabäder fördern die Durchblutung und wirken schmerzlindernd. Gleichzeitig lösen sich Verspannungen. Die enthaltenen Wirkstoffe findet man auch in Entspannungsbädern. Vollbäder können bei größeren Hautverletzungen, akuten unklaren Hautkrankheiten, schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Tuberkulose, Hypertonie sowie Herz- und Kreislauferkrankungen unerwünschte Wirkungen auslösen. Betroffene sollten Rheumabäder nur nach Absprache mit dem Arzt anwenden oder auf andere Behandlungsmöglichkeiten ausweichen.


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