Rückenbeschwerden

In unserer heutigen Zeit leiden sehr viele Menschen unter Rückenschmerzen, da wir Wirbelsäule und Rückenmuskulatur durch unsere Lebensweise entweder zu wenig (sitzende Schreibtischtätigkeit, Freizeit vor dem Fernseher) oder falsch (einseitige Bewegungen und Belastungen, falsches Tragen und Heben) bewegen.
Ursachen und Beschwerden

Alles, was von der "natürlichen" Körperhaltung abweicht, belastet die Wirbelsäule. Man unterscheidet Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie Kreuz- und Steißbein. Zwischen den Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben. Sie haben eine Pufferfunktion und schützen die Wirbelkörper vor Abrieb und Verschleiß. Auch Stöße werden durch sie abgefedert. Zusätzlich stützen etliche Muskeln, Sehnen und Bänder die Wirbelsäule. Verspannungen der Rückenmuskulatur lösen Rückenschmerzen aus. Je nachdem welche Region betroffen ist, kommt es zu Nacken-, Schulter-, Rücken- oder Kreuzschmerzen.

Häufige Ursachen für Rückenschmerzen
- Fehlhaltungen und falsche oder einseitige Bewegungsabläufe
- Heben und Tragen von zu schweren Lasten (schwere Gegenstände immer mit geradem Rücken heben!)
- psychische Belastungen (Ängste und Sorgen verkrampfen)
- Übergewicht (Verspannung durch falsche Haltung)
- Bewegungsmangel (langes Sitzen)
- zu schwach ausgebildete Rücken- und Bauchmuskeln
- Wirbelsäulenverkrümmung.
- Verrenkungen, z.B. durch Sturz, plötzliche Dreh- oder Bückbewegungen.
- Bandscheibenschaden oder Bandscheibenvorfall.
- Stress mit Verspannung der Rückenmuskulatur.
- Wirbelbruch z. B. durch Osteoporose.

Nackenschmerzen
entstehen häufig nach langen Schreibtischarbeiten bzw. sitzenden Tätigkeiten. Durch Haltungsfehler und einseitige Belastung verkrampft die Muskulatur der Halswirbelsäule. Häufig werden dadurch auch Kopfschmerzen verursacht.

Eine plötzliche Dreh- oder Bückbewegung kann einen Hexenschuss oder Ischiasbeschwerden auslösen. Beides sind volkstümliche Bezeichnungen für Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ärzte sprechen von Lumbago (=Lendenschmerz).

Beim Hexenschuss ist der Schmerz auf den Bereich der Wirbelsäule beschränkt. Durch "falsche" Bewegungen wie schnelles Bücken, werden die Wirbelgelenke oder die Bandscheiben geschädigt und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Die dadurch entstehenden Schmerzen führen zu Verspannungen der Rückenmuskulatur. Bewegung ist dann kaum noch möglich. Die vermeintliche Schonhaltung, die die Betroffenen einnehmen, löst zusätzliche Verspannungen und Schmerzen aus. So kann ein Teufelskreis entstehen.

Bei Ischiasbeschwerden zieht der Schmerz entsprechend dem Verlauf des Ischiasnervs bis in die Beine hinunter. Ursache kann ein Bandscheibenvorfall sein, bei dem die verschobene Bandscheibe auf den Ischiasnerv drückt. Auch chronische Verspannungen oder geschädigte Wirbelgelenke können den Nerv reizen und zu starken Hüftschmerzen führen. In schlimmen Fällen kommt es sogar zu Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen in den Beinen. Bewegung verschlimmert in diesem Fall den Schmerz.

Ein Bandscheibenvorfall wird durch ständige Fehlhaltungen begünstigt. Die Muskulatur und die Bänder verkürzen sich und die Bandscheiben werden einseitig belastet. Dadurch kann sich der Bandscheibenkern verlagern und auf das Rückenmark bzw. auf die hier austretenden Rückenmarksnerven drücken. Ein Bandscheibenvorfall kann sehr schmerzhaft sein.

Was Sie tun können

- Wirbelsäule entlasten, flach hinlegen und die Beine mit einer Unterlage (z.B. Kissen) unter den Knien anwinkeln.
- Warm halten und Rückenmuskulatur entspannen. Bettruhe sowie Rheumabäder oder -Packungen sind sehr wohltuend. Wärmewirksame Salben anwenden (Rheumasalben). Entzündungshemmende und leicht schmerzstillende Salben auftragen, z.B. mit Ibuprofen.
- Einnahme leichter Schmerzmittel, um den Teufelskreis aus Schmerz und Muskelverspannung zu durchbrechen.

Vorbeugung
- Übergewicht vermeiden.
- aufrechte Haltung einnehmen
- beim Bücken in die Knie gehen
- beim Heben darauf achten, dass nicht der Rücken, sondern die Oberschenkel die Hauptarbeit leisten
- bei sitzender Tätigkeit für optimale Sitzverhältnisse und ausreichende Entspannungspausen sorgen
- wechseln Sie sooft es geht vom Sitzen zum Stehen. Bewegung ist wichtig, gerade bei überwiegend sitzender Tätigkeit
- auch beim Schlafen den Rücken nicht vergessen (straff gepolsterte, nicht zu weiche Matratze, Nackenstützkissen)
- regelmäßig Rückengymnastik oder Schwimmen. Kein Tennis, Squash, Badminton, Rudern
- In speziellen Kursen (z.B. "Rückenschule") kann rückengerechtes Verhalten erlernt werden.

Hilfe aus der Apotheke

Schmerz- und entzündungshemmende Einreibungen lindern die Schmerzen und ermöglichen dadurch die Entspannung der Muskulatur. Unter Schmerzen kann sich die Muskulatur nicht lockern. Die Zubereitungen enthalten Wirkstoffe wie Diclofenac, Ibuprofen, Salicylsäure haltige Verbindungen, Piroxicam und Indometacin. Diese Arzneistoffe werden auch bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen zur Schmerzlinderung eingesetzt. Bei großflächiger Anwendung erhöht sich allerdings auch das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen.

Wärmende und durchblutungsfördernde Einreibungen lösen Verspannungen und wirken gleichzeitig schmerzlindernd. In den entsprechenden Einreibungen findet man beispielsweise Wirkstoffe wie Nicoboxil und Nonivamid. Beide Substanzen ergänzen sich in ihrer Wirkung: Nicoboxil erweitert die Blutgefäße, was die Durchblutung am Anwendungsort erhöht. Dadurch kann Nonivamid besser bzw. schneller wirken. Nonivamid ist eine synthetisch hergestellte Substanz, die in ihrer Wirkung dem Cayennepfeffer entspricht. Nonivamid erweitert ebenfalls die Blutgefäße, unterbricht jedoch gleichzeitig die Schmerzweiterleitung der Nervenfasern. Dieser schmerzlindernde Effekt kann Stunden bis Tage anhalten. Durch die Gefäßerweiterung entsteht ein Wärmegefühl.

Nonivamid wird nicht nur in Cremes oder Salben verarbeitet, sondern auch in Wärmepflastern. Cayennepfeffer ist die natürliche Alternative zu Nonivamid. Er wird aus Extrakten der scharfen Paprika (Pepperoni, spanischer Pfeffer) hergestellt.

Fango wird bei Muskelverspannungen mit etwa 40 bis 50 Grad Celsius aufgelegt. Die Behandlungsdauer liegt zwischen 20 und 40 Minuten. In den behandelten Körperregionen wird die Durchblutung stark erhöht, Schmerzen werden dadurch gelindert. Fangopackungen können mehrfach verwendet werden.

Durchblutungsfördernde und wärmende Bäder enthalten beispielsweise Fichten-, Kiefernnadelnöl oder Wacholder. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach Entspannungs- oder Rheumabädern.

Tipp:
Eine Infrarotlampe eignet sich ebenfalls zur Wärmetherapie bei Muskelverspannungen. Nacken, Schultern und Lendenwirbelbereich können damit bestrahlt werden.
Vorsicht vor Zugluft nach der Anwendung.

Schmerzmittel
Bei starken Beschwerden helfen neben der lokalen Behandlung auch Schmerzmittel zum Einnehmen. Trinken Sie zur Einnahme von Tabletten, Dragees oder Kapseln immer ein großes Glas Wasser. So kann sich die Wirkung am besten entfalten. Zur Therapie eignen sich Wirkstoffe wie Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure. Die Wirkstoffe werden allgemein zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen eingesetzt.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Wenn Sie chronische Rückenschmerzen haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung. Manchmal bessern sich die Beschwerden durch "rückenstärkende" Maßnahmen (Gymnastik, Bewegungspausen etc.).

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn:
- Sie starke Schmerzen haben
- Sie ein Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen bemerken
- die Bewegung stark eingeschränkt ist.

Was Sie beachten sollten

Schmerzlindernde Einreibungen nicht großflächig anwenden!
Wenn Sie schmerzlindernde Cremes, Salben oder Gele anwenden, sollten Sie nur die verletzten Körperstellen behandeln. Bei großflächiger Anwendung über längere Zeit können die Wirkstoffe in größerem Umfang in die Blutbahn gelangen. Dadurch kann der ganze Organismus beeinträchtigt werden und es kann zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Magen-Darm-Störungen kommen. Die Wirkung anderer Arzneistoffe kann zudem beeinträchtigt werden. Werden nur kleine Hautbezirke behandelt, bleibt die Wirkung lokal beschränkt.


Schmerzlindernde Einreibungen
Muskelverspannungen lösen Schmerzen aus, und Schmerzen führen wiederum zu Muskelverspannungen. Diclofenac, Ibuprofen, Piroxicam und Salicylsäure haltige Verbindungen wirken schmerzlindernd und unterbrechen diesen Teufelskreis. Die verkrampfte Muskulatur kann sich dann besser lösen. Die Wirkstoffe werden als Salben, Gele, Cremes, Lösung oder Spray direkt auf die betroffene Stelle gegeben. Meist gilt die Empfehlung, die Einreibungen 3 bis 4mal täglich anzuwenden. Die Zubereitungen dürfen nicht auf offene Wunden, entzündete Hautstellen oder auf Schleimhäute aufgetragen werden. Nach der Anwendung gleich die Hände waschen, damit die Einreibungen nicht in die Augen gelangen.

Wärmende und durchblutungsförderne Mittel
Wärmende Salben, Cremes oder Pflaster regen die Durchblutung an und wirken Schmerzen entgegen. Die Anwendung darf nicht auf Schleimhäuten, offenen Wunden oder erkrankten Hautstellen erfolgen. Reinigen Sie sich nach dem Auftragen der wärmenden Salben, Cremes oder Pflaster gründlich die Hände. Die enthaltenen Wirkstoffe dürfen nicht in die Augen geraten. Meiden Sie zusätzliche Wärmezufuhr im Schmerzgebiet, wenn Sie Wärmepflaster benutzen. Die Haut kann sonst geschädigt werden. Wärmepflaster dürfen nur über einen kurzen Zeitraum angewandt werden. Achten Sie auf die Dosierungshinweise der Hersteller.

Wärmetherapie mit Fango
Fango-Wärmepackungen werden etwa 20-40 Minuten auf die erkrankten Körperstellen gelegt. Sie wirken durchblutungsfördernd, entspannend und schmerzlösend. Nur unverletzte Hautstellen dürfen behandelt werden (keine offenen Wunden). Die Wärmetherapie mit Fango eignet sich nicht bei akuten rheumatischen Schüben, unklaren Hauterkrankungen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, Kreislaufschwäche, Tuberkulose oder schwerer vegetativer Dystonie.

Entspannende Bäder
Rheumabäder fördern die Durchblutung und wirken schmerzlindernd. Gleichzeitig lösen sich Verspannungen. Die enthaltenen Wirkstoffe findet man auch in Entspannungsbädern. Vollbäder können bei größeren Hautverletzungen, akuten unklaren Hautkrankheiten, schweren fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Tuberkulose, Hypertonie sowie Herz- und Kreislauferkrankungen unerwünschte Wirkungen auslösen. Betroffene sollten Rheumabäder nur nach Absprache mit dem Arzt anwenden oder auf andere Behandlungsmöglichkeiten ausweichen.

Pflanzliche Mittel
Einreibungen, die Beinwell enthalten, wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Beinwell regt zusätzlich die Durchblutung an. Campher "lindert" den Schmerz, Menthol kühlt. Man findet Campher und Menthol beispielsweise als Zusatz in Franzbranntwein. Bei längerer Anwendung von Franzbranntwein trocknet die Haut aus. Es kann zu Hautreizungen kommen. Auch die pflanzlichen Zubereitungen dürfen nicht an offenen Wunden, Schleimhäuten, entzündeten Hautstellen oder im Bereich der Augen angewandt werden.


zurück zum Thema Muskeln und Gelenke
zurück zur Hauptübersicht