Verletzungen

Gelenkverletzungen wie Zerrungen und Verstauchungen entstehen häufig beim Sport und durch Umknicken oder Verdrehen des Gelenks. Wenn keine offenen Wunden vorliegen, spricht man von stumpfen Verletzungen. Sportmediziner empfehlen als erste Hilfsmaßnahme, die PECH-Regel einzuhalten. P=Pause, E= Kühlen mit Eis oder Kompressen, C=Compression durch einen stützenden Verband, H=Hochlegen.
Ursachen und Beschwerden

Bei einer Prellung wird durch einen Aufprall, Schlag oder Stoß Gewebe verletzt. Kleine Blutgefäße werden gequetscht, es entsteht ein Bluterguss durch eine begrenzten Blutansammlung. Gleichzeitig entsteht eine Schwellung, durch Flüssigkeitsaustritt der verletzten Gefäße ins umliegende Gewebe. Während des Heilungsprozesses wird die Flüssigkeit wieder abgebaut und die Schwellung geht zurück. Eine Prellung kann sehr schmerzhaft sein.

Zerrungen und Verstauchungen werden durch "falsche" bzw. übermäßig heftige Bewegungen ausgelöst. Zerrungen und Verstauchungen entstehen immer an Gelenken. Man spricht dabei auch von Überdehnung bzw. Zerrung der das Gelenk umgebenden Muskeln, Bänder und Sehnen. Meist handelt es sich um eine vorübergehende Überdehnung, es kann aber auch zu Bänderrissen kommen.. Die Beweglichkeit und die Belastbarkeit des verletzten Gelenkes sind bei Zerrungen und Verstauchungen meist stark eingeschränkt.

Häufige Ursachen
- Sportunfälle, Umknicken, Stürze usw.
- Ausgeleierte Bänder durch häufige Verletzungen.

Was können Sie tun

- direktes Kühlen nach dem Unfall sollte die betroffene Region mit Eisbeuteln, Umschlägen, Kältekompressen oder Kältespray und möglichst hochgelagert werden.
- Kältebehandlung 24 Stunden lang fortsetzen um den Bluterguss optimal abzuschwellen
- Sportgele, z.B. mit Heparin, Arnika, Menthol oder Salicylaten wirken kühlend und abschwellend
- am nächsten Tag mit einer Wärmebehandlung beginnen, mit wärmewirksamen Salben oder durchblutungsfördernden Bädern oder auch Rotlicht
- die betroffenen Gelenke und Muskeln müssen eine Weile geschont und nicht belastet werden
- Schmerzen lassen sich mit einem leichten Schmerzmittel (z.B. mit Acetylsalicylsäure) lindern.
- Therapie mit entzündungshemmenden Enzymen

Hilfe aus der Apotheke

Kühlen Sie die verletzte Stelle möglichst schnell. Eis darf jedoch nicht länger als 20 Minuten und nicht in direktem Kontakt mit der Haut angewandt werden, da sonst Schäden an der Haut entstehen können. Besser eignen sich Kältekompressen, die Sie in Ihrer Apotheke erhalten. Es gibt Kältekompressen, Kalt/Warm-Kompressen, Eissprays oder selbstkühlende Druckverbände. Letztere kühlen von selbst, sie müssen nicht im Gefrierfach aufbewahrt werden. Dies gilt auch für Kälte-Sofort-Kompressen. Die Kühlwirkung wird durch Knicken des Beutels erreicht. Durch die Kühlung schließen sich die verletzten Blutgefäße schneller und es tritt weniger Blut und Gewebeflüssigkeit aus. Dadurch kann das Ausmaß von Bluterguss und Schwellung begrenzt werden. Verstauchte Gelenke sollten Sie zusätzlich hoch lagern.

Zur Nachbehandlung von Sportverletzungen eignen sich schmerz- und entzündungshemmende Salben, Cremes, Gele oder Einreibungen. Je nach Inhaltsstoff wirken sie schmerz- und entzündungshemmend. Viele Zubereitungen wirken gleichzeitig abschwellend und/oder beschleunigen das Auflösen von Blutergüssen.

Diclofenac, Ibuprofen, Salicylsäure-Verbindungen, Piroxicam und Indometacin wirken schmerz- und entzündungshemmend. Diese Wirkstoffe werden äußerlich bei stumpfen Verletzungen angewandt. Bei großflächiger Anwendung wird das Risiko für Neben- und Wechselwirkungen erhöht. Meistens werden die Wirkstoffe als Monopräparat angeboten. Das bedeutet, es befindet sich nur ein Wirkstoff im Arzneimittel. Es gibt aber auch Kombinationen. So wird die Wirkung der Salicylsäure in manchen Zubereitungen durch Aescin ergänzt. Andere Kombipräparate enthalten neben Salicylsäure heparinähnliche Verbindungen.

Heparin wirkt gerinnungshemmend. Es fördert die Auflösung von Blutgerinnseln. Die Hersteller empfehlen den Wirkstoff äußerlich, zur unterstützenden Behandlung bei akuten Schwellungszuständen. Das Gleiche gilt für heparinähnliche Substanzen, so genannte Heparinoide (Mucopolysaccharidpolyschwefelsäureester, MPPSE). Beide Verbindungen findet man in zahlreichen Sportgelen, -salben, oder -cremes. Neben Monopräparaten gibt es auch Kombinationen, beispielsweise mit Salicylsäure. Bei der Anwendung von Heparin und Heparinoiden kann es in Einzelfällen zu allergischen Reaktionen wie Nesselsucht oder Juckreiz kommen.

Pflanzliche Mittel
Aescin
wird aus Rosskastanienextrakt gewonnen. Es stabilisiert die Gefäße und wirkt dadurch Schwellungen entgegen. Der Wirkstoff wird wegen seiner gefäßstabilisierenden Wirkung häufig bei Venenerkrankungen eingesetzt.

Arnika wirkt bei stumpfen Verletzungen entzündungshemmend und schmerzlindernd. Gleichzeitig haben die Extrakte auch eine desinfizierende Wirkung. Zur äußerlichen Anwendung werden Gele oder Salben, aber auch Einreibungen angeboten (Tinktur).

Beinwell wird, äußerlich angewandt, eine durchblutungsfördernde, schmerzlindernde, entzündungshemmende Wirkung zugesprochen.

Campher ist in vielen Einreibungen enthalten und wirkt schmerzhemmend. Auf der Haut werden sogar "betäubende" Effekte erzielt.

Fichtennadel- und Latschenkiefernöl fördern die Durchblutung. In Franzbranntwein findet man die Öle häufig kombiniert mit Campher oder Menthol. Die Einreibungen zählen zu den lang bewährten Hausmitteln bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen.

Menthol wirkt antiseptisch und entfaltet auf Haut und Schleimhäuten eine kühlende Wirkung. In hoher Dosierung betäubt Menthol sogar den Schmerz.

Schmerzmittel
Bei starken Beschwerden helfen neben der lokalen Behandlung auch Schmerzmittel zum Einnehmen. Trinken Sie zur Einnahme von Tabletten, Dragees oder Kapseln immer ein großes Glas Wasser. So kann sich die Wirkung am besten entfalten. Zur Therapie eignen sichWirkstoffe wie Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure. Die Wirkstoffe werden allgemein zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen eingesetzt.

Enzympräparate
Enzyme unterstützen die Selbstheilungsprozesse im Körper. Sie verkürzen dadurch den Krankheitsverlauf und lindern die Symptome. Die entsprechenden Produkte werden meistens mit Rutosid kombiniert. Diese Substanz stabilisiert die Gefäßwände. Rutosid begrenzt das Ausströmen der Flüssigkeit aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe. So kann man Schwellungen entgegen wirken. Bereits bestehende Schwellungen werden durch den Einfluss der Enzyme schneller zurückgebildet. Enzympräparate eignen sich nicht für Menschen mit Blutgerinnungsstörungen. Bei gleichzeitiger Einnahme blutverdünnender Mittel oder bestimmter Antibiotika kann es zu Wechselwirkungen kommen.

Wann zum Arzt?

Wenn der Verdacht auf einen Knochenbruch, Bänder- oder Muskelriss besteht, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn:
- Sie starke Schmerzen haben
- die Schwellung trotz Kühlung am nächsten Tag nicht zurückgegangen ist
- die verletzte Körperstelle nicht belastbar bzw. beweglich ist.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen von Enzympräparaten
Enzympräparate können die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken. Auch bei bestimmten Antibiotika, den Tetrazyklinen, kann die Wirkung verstärkt werden.

Wichtig:
Enzympräparate nehmen Einfluss auf die Blutgerinnung. Wenden Sie diese Arzneimittel nicht vor Operationen an!
Schmerzlindernde Einreibungen nicht großflächig anwenden!

Wenn Sie schmerzlindernde Cremes, Salben oder Gele anwenden, sollten Sie nur die verletzten Körperstellen behandeln. Bei großflächiger Anwendung über längere Zeit können die Wirkstoffe in größerem Umfang in die Blutbahn gelangen. Dadurch kann der ganze Organismus beeinträchtigt werden. Es kann zu unerwünschten Nebenwirkungen, beispielsweise Magen-Darm-Störungen kommen. Außerdem kann die Wirkung anderer Arzneistoffe beeinträchtigt werden

Eis "verbrennt" die Haut!
Umwickeln Sie Kältekompressen vor der Anwendung mit einem dünnen Baumwolltuch. Dadurch verhindern Sie Hautschäden durch zu starke Kälteeinwirkung. Das Gleiche gilt, wenn Sie Eiswürfel verwenden. Eis darf höchstens 20 Minuten aufgelegt werden, sonst "verbrennt" die Haut. Die Art der Verletzung, die durch den extremen Kälteeinfluss entsteht, gleicht Brandwunden. Besser ist es, Eiswürfel in einen Plastikbeutel mit Wasser zu geben und diesen mit einem Baumwolltuch umhüllt auf die verletzte Stelle zu bringen.


Schmerzlindernde Einreibungen
Bei stumpfen Verletzungen lindern Diclofenac, Ibuprofen, Piroxicam und Indometacin die Schmerzen. Sie werden in Salben, Gelen, Cremes, Lösungen oder als Spray direkt auf die verletzte Stelle gegeben. Meist gilt die Empfehlung, die Zubereitungen 3 bis 4mal anzuwenden. Die Zubereitungen dürfen nicht auf offene Wunden, entzündete Hautstellen oder auf Schleimhäuten aufgetragen werden. Nach der Anwendung gleich die Hände waschen, damit die Einreibungen nicht mit den Augen in Verbindung kommen können. Die aufgeführten Wirkstoffe werden auch in Schmerzmitteln zur innerlichen Anwendung verwendet. Dann unterliegen sie jedoch größtenteils der Verschreibungspflicht.
Salicylsäurehaltige Einreibungen wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Auch hier gilt: nicht auf offene Wunden, entzündete Hautstellen oder Schleimhäute auftragen. Der Wirkstoff darf nicht in die Augen geraten. Die Hersteller empfehlen, die Zubereitungen 2 bis 3mal täglich in dünner Schicht auf die verletzte Stelle aufzutragen. Empfindliche Personen können mit Hautreizungen reagieren.

Heparinhaltige Mittel zum Einreiben
Heparinhaltige Zubereitungen eignen sich zur Behandlung von Blutergüssen, Schwellungen, Verstauchungen, Prellungen und Sportverletzungen.
Wichtig: Heparinhaltige Mittel dürfen nicht auf offene Wunden, nässende Ekzeme, entzündete Hautstellen oder Schleimhäute aufgetragen werden. Waschen Sie sich nach der Anwendung immer die Hände. Gel-, Creme- oder Salbenreste dürfen nicht mit den Augen in Berührung kommen.

Pflanzliche Mittel zum Einreiben
Einreibungen, die Beinwell oder Arnika enthalten, wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie zeigen gleichzeitig auch abschwellende Effekte. Campher "betäubt" den Schmerz, Menthol kühlt. Man findet beide Wirkstoffe beispielsweise als Zusatz in Franzbranntwein. Bei längerer Anwendung von Franzbranntwein trocknet die Haut aus. Es kann zu Hautreizungen kommen. Auch die pflanzlichen Zubereitungen dürfen nicht an offenen Wunden, Schleimhäuten, entzündeten Hautstellen oder im Bereich der Augen angewandt werden.

Enzyme
Enzyme werden zur Behandlung von traumatischen Verletzungen und entzündlichen Prozessen eingesetzt. Man verwendet sie deshalb nicht nur bei Sportverletzungen, sondern beispielsweise auch zur Therapie von rheumatischen Erkrankungen. Die Hersteller empfehlen, täglich 3x2 Dragees oder Tabletten einzunehmen. Bei schweren Krankheitsverläufen oder zur Stoßtherapie können bis zu 12 Tabletten über den Tag verteilt eingenommen werden. Häufig wird Rutosid den Enzymkombinationen beigefügt. Dieser Wirkstoff stabilisiert die Gefäße und hält dadurch Schwellungen in Grenzen.


zurück zum Thema Muskeln und Gelenke
zurück zur Hauptübersicht