Nervosität und Unruhe

Stress ist eine der häufigsten Ursachen für Nervosität und Unruhe. Der Auslöser für Nervosität ist immer psychischer oder körperlicher Stress und Überforderung. Wenn längerfristig die Zeit zur Erholung fehlt, kann die ständige Belastung Krankheiten verursachen.
Ursachen und Beschwerden

Dauerstress verursacht mehr als "schlechte Laune" und einen unausgeglichenen Gemütszustand. Ein überlastetes Nervensystem nimmt auch Einfluss auf die Organe. Durchfall, Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Schweißausbrüche, Menstruationsstörungen oder Herzrasen können die Folge sein. Der Auslöser für Nervosität ist immer psychischer oder körperlicher Stress. Ein typisches Zeichen für Nervosität sind sich ständig wiederholende Betätigungen (z.B. Nägelkauen). Auch Einschlafstörungen sind häufig nervös bedingt. Daneben können noch andere körperliche Beschwerden auftreten, häufig kommt es z.B. zu Kopfschmerzen oder Magen- und Darmbeschwerden (Magen, nervöser). Depressive Verstimmungen führen zu Antriebslosigkeit und körperlichen Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen.

Typische Symptome bei Nervosität und Unruhe:
- Händezittern
- Herzrasen
- Augenzucken
- das Gefühl, gehetzt und ständig unter Druck zu sein
- erhöhte Reizbarkeit; beim geringsten Anlass gerät man aus dem Gleichgewicht
- Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit
- Unsicherheit, Ängste.


Nervosität und Unruhe lassen sich sehr gut mit pflanzlichen Medikamenten behandeln. Die entsprechenden Heilpflanzen haben ein breites Wirkspektrum. In vielen Fällen helfen sie nicht nur bei nervöser Unruhe, sondern auch bei Schlafstörungen oder bei depressiven Verstimmungen. Baldrian wird beispielsweise tagsüber eingenommen als mildes Beruhigungsmittel angewandt. In höherer Dosierung am Abend hat sich die Arzneipflanze als Schlafmittel bewährt. Johanniskraut kommt dagegen bei Nervosität und depressiver Verstimmung zum Einsatz.

Baldrian (Valeriana officinalis) wirkt entspannend, beruhigend und schlaffördernd (in höherer Dosierung, am Abend eingenommen). Für medizinische Zwecke verwendet man die Wurzeln. Die Extrakte können als Dragees, Tabletten, Tropfen oder Tee eingenommen werden.

Hopfen (Humulus lupulus) wirkt ebenfalls beruhigend und leicht schlaffördernd. Für die Herstellung von Medikamenten verwendet man die so genannten Hopfenzapfen, die weiblichen Blütenstände des Hopfens.
Johanniskraut (Hypericum perforatum) hilft bei nervösen Unruhezuständen. Es wird auch bei leichten bis mittelschweren vorübergehenden depressiven Störungen eingesetzt. Johanniskrautpräparate sind bei fachgerechter Einnahme gut verträglich. Sie können jedoch die Wirkung einiger Medikamente beeinträchtigen. Berücksichtigen Sie dies, wenn Sie regelmäßig andere Medikamente einnehmen. In Ihrer Apotheke berät man Sie gerne.

Melisse (Melissa officinalis) wirkt leicht beruhigend, aber auch krampflösend. Für medizinische Zwecke werden die Blätter der Pflanze verwendet. In Fertigpräparaten gegen Nervosität und Unruhe wird Melisse häufig mit Baldrian kombiniert. Sie kommt nicht nur bei Unruhezuständen, sondern auch bei nervösen Magen-Darm-Störungen zum Einsatz.

Passionsblume (Passiflora incarnata) wirkt ähnlich wie Melisse leicht beruhigend und krampflösend. Zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet man das Kraut. Passionsblume wird bei nervösen Störungen bevorzugt in Kombination mit anderen pflanzlichen Stoffen eingesetzt.

Tipp
Nehmen Sie die Überreaktion Ihres Nervensystems ernst. Versuchen Sie, Leistungsdruck zu reduzieren. Planen Sie Entspannungsphasen im Tagesablauf ein. Mit sportlicher Aktivität können Sie Stress abbauen. Durch Entspannungstechniken und ausreichend Schlaf gewinnen Sie Ihr inneres Gleichgewicht zurück. Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach Entspannungsbädern.

Wann zum Arzt?

Hinter Nervosität und Unruhe können sich Krankheiten verbergen. Wenn Entspannung und Selbstmedikation nicht zum Erfolg führen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- neben Nervosität auch starke körperliche Beschwerden auftreten, beispielsweise Rückenschmerzen oder Magenschmerzen
- Nervosität und Unruhe überhand nehmen oder zusätzlich Depressionen und Angstgefühle auftreten
- es zu Funktionsstörungen einzelner Organe kommt (Herzrhythmusstörungen, ständiger Durchfall, etc.)
- Sie unter Schilddrüsenfunktionsstörungen leiden oder Schilddrüsenhormone einnehmen; Nervosität und Unruhe kann Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sein.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit Johanniskraut
Es gibt einige Medikamente, deren Wirkung durch Johanniskraut beeinträchtigt werden kann. Fragen Sie in Ihrer Apotheke, ob es bei der Einnahme Ihrer bisherigen Medikamente in Kombination mit Johanniskraut Probleme geben kann.

Folgende Arzneistoffe wirken in Verbindung mit Johanniskraut nur abgeschwächt:
- das Herzmittel Digoxin
- das Asthmamittel Theophyllin
- blutverdünnende Mittel wie Phenprocoumon oder Warfarin
- antidepressiv wirksame Arzneistoffe wie Amitryptylin oder Nortriptylin.

Wenn Sie die Pille einnehmen, kann deren Wirksamkeit verringert sein (Risiko einer Schwangerschaft!) und es können Zwischenblutungen auftreten. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter chemischer Antidepressiva (Nefazodon, Paroxedtin, Sertralin) kann die Wirkung verstärkt werden. Übelkeit, Erbrechen, Angst und Verwirrtheit sind die Folge. Insbesondere hellhäutige Menschen sollten auf ausgedehnte Sonnenbäder verzichten, das Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit erhöht.


Pflanzliche Beruhigungsmittel

Baldrian und Kombinationen
Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume wirken entspannend und beruhigend. Baldrian wird als Einzelsubstanz oder in Wirkstoffkombinationen angewandt. Melisse, Hopfen und Passionsblume werden häufig mit Baldrian kombiniert.

Johanniskraut
Johanniskraut wird bei nervöser Unruhe und bei leichten bis mittelschweren (vorübergehenden) depressiven Verstimmungen eingesetzt. Es kann 2-4 Wochen dauern, bis die Wirkstoffe der Arzneipflanze ihre volle Wirkung entfalten. Spätestens 8-10 Wochen nach der Ersteinnahme sollten die Symptome abklingen. Die Hersteller empfehlen, die Therapie 3-6 Monate durchzuführen.
Bei gleichzeitiger Einnahme von anderen Medikamenten, sollten etwaige Wechselwirkungen beachtet werden. Johanniskraut kann die Wirkung von bestimmten Arzneistoffen verändern. Bei hellhäutigen sensiblen Personen besteht außerdem die Gefahr erhöhter Lichtempfindlichkeit. Allgemein gilt die Empfehlung, während der Einnahme intensives UV-Licht zu meiden. Verzichten Sie während der Therapie auf das Sonnenbaden und den Solarium-Besuch.

Beruhigungstees
Baldrian, Melisse und Johanniskraut wirken Nervosität und Unruhezuständen entgegen. Die Darreichungsform Tee hat den Vorteil, dass bei regelmäßiger Anwendung die Zubereitung zum Ritual wird. Psychologen glauben, dass der Körper dann bereits beim Aufbrühen des Tees auf Entspannung umschaltet. In asiatischen Ländern haben entspannende Teezeremonien seit Jahrhunderten ihren festen Platz im Alltag.
Tipp
Wenn Sie keine Fertigtees mögen, kann Ihre Apotheke Ihnen auch eine individuelle Teemischung gegen Nervosität zusammenstellen.


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