Schlafstörungen

Schlaf ist lebensnotwendig für Körper und Geist. Während des Schlafens laufen im Körper in fast allen Organen Regenerations- und Aufbauvorgänge ab. Der Körper erholt sich und tankt neue Energie für den kommenden Tag. Ohne Schlaf kann der Mensch nicht leben.
Ursachen und Beschwerden

Jeder Mensch hat ein individuelles Schlafbedürfnis. Kleine Kinder brauchen im Schnitt 10 bis 12 Stunden, junge Erwachsene 6 bis 9 Stunden und ältere Menschen 5 bis 6 Stunden Schlaf. Zu wenig Schlaf führt zu Leistungsabfall, Gereiztheit und Unaufmerksamkeit. Während der Schlafenszeit durchläuft der Mensch verschiedene Schlafphasen, die sich in ihrer Schlaftiefe unterscheiden. Bei einem normalen Verlauf steigt die Schlaftiefe nach dem Einschlafen stark an, nimmt dann ab und geht zum Morgen hin in eine mittlere konstante Schlaftiefe über. Bei Schlafstörungen unterscheidet man zwischen Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen. Eine häufiges Problem älterer Menschen ist auch das zu frühe Erwachen am Morgen, also eine Durchschlafstörung.

Mögliche Ursachen für Schlafstörungen:
- Seelische Probleme (in Familie, Beruf, Partnerverlust, Prüfungsangst etc.)
- Psychische Belastungen durch Stress, Sorgen und Anspannung
- Überreizung durch zu langes, zu hartes Arbeiten. Zu langes Fernsehen.
- Krankheiten, die die Atmung beeinträchtigen, beispielsweise grippale Infekte
- Organische Störungen, wie Schilddrüsen- oder Blasenerkrankungen
- Schlaf-Apnoe-Syndrom; darunter versteht man ein anfallsweises Auftreten von verlängerten Atempausen im Schlaf. Das Phänomen tritt häufig bei übergewichtigen, schnarchenden Menschen auf
- Ungesunde Lebensführung: ein spätes und/oder üppiges Abendbrot stört durch die Verdauungsarbeit den Schlaf, hoher Alkoholkonsum macht zunächst müde. Der Schlaf wird jedoch unterbrochen, sobald die Wirkung nachlässt, Koffein behindert das Einschlafen
- Reizüberflutung durch helles Licht, Straßenlärm oder langes Fernsehen
- Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, beispielsweise bei manchen Mitteln gegen Depressionen, blutdrucksenkenden Mitteln, Mitteln bei Parkinson, Asthmamitteln oder Medikamenten zur Entwässerung
- Störungen des Biorhythmus, zum Beispiel bei Schichtdienst.

Was Sie tun können

- Wichtig ist es, die Ursache herauszufinden und zu beseitigen
- Vor dem Schlafen körperlich entspannen z.B. ein warmes Bad (34-36°C, am besten mit schlaffördernden Zusätzen) nehmen oder ein Glas warme Milch trinken.
- Gegen Nervosität: autogenes Training, geistig entspannen, keine schwerwiegenden Probleme direkt vorm Zubettgehen diskutieren oder durchdenken.
- Wenn man nicht schlafen kann, sollte man aufstehen und sich beschäftigen (z.B. einen beruhigenden Tee kochen, lesen), bis man wieder müde ist.
- Ältere Menschen sollten nicht zu früh ins Bett gehen, auf den Mittagsschlaf verzichten und morgens früh aufstehen.
- Tees, Bäder oder Arzneimittel mit Baldrianwurzel, Melisse, Hopfen, Passionsblume wirken am Tage beruhigend und in der Nacht schlaffördernd. Insbesondere die Einschlafbereitschaft wird gefördert. Arzneimittel mit Johanniskraut können helfen, wenn eine depressive Stimmung Sie am Einschlafen hindert.
- Auch ein Glas Wein oder Bier kann das Einschlafen fördern. Mehr Alkohol hingegen führt zu Schlafstörungen.
- Sind die pflanzlichen Präparate nicht ausreichend wirksam, können kurzfristig rezeptfreie Präparate z.B. mit Doxylamin, die Schlafstörungen beheben.

Hilfe aus der Apotheke

Für ungestörten Schlaf ist es ganz wichtig, dass die äußeren Bedingungen stimmen. Man bezeichnet die entsprechenden Maßnahmen als "Schlafhygiene".

"Gesunde" Schlafbedingungen erzielen Sie durch:
- gute Ausstattung der Betten
- gut gelüftetes Schlafzimmer
- nicht zu warme Raumtemperatur (nicht zu 18 Grad)
- Ausschalten von äußeren Störfaktoren (tickende Uhr etc.)
- Abdunkeln des Schlafzimmers
- Vorbereitung auf den Schlaf durch beruhigende Tätigkeiten oder Schlafrituale (Tee oder warme Milch trinken)
- Gesunde Lebensweise (beispielsweise keine üppige Mahlzeit vor dem Schlafen gehen)
- Vermeidung von Stress durch "Termindruck"! Gehen Sie ins Bett, wenn Sie müde sind. Die Uhrzeit sollte zweitrangig seien.

Pflanzliche Schlafmittel enthalten meistens Baldrian als Einzelstoff oder kombiniert mit Passionsblume, Hopfenzapfen oder Melisse. Es sind größtenteils die gleichen Präparate, die auch bei Nervosität und Unruhe zur Anwendung kommen. Zur Behandlung von Schlafstörungen wird Baldrian jedoch anders eingenommen. Die Anwendung erfolgt nicht tagsüber, sondern vor dem Schlafengehen in höherer Dosierung.

Schlaffördernde Tees und Beruhigungstees enthalten ebenfalls meistens Baldrian, Hopfen und Melisse. Auch hier unterscheidet sich die Einnahmeempfehlung. Wird der Tee tagsüber getrunken (jeweils 1 Tasse), wirkt er beruhigend. Wer 1-2 Tassen am Abend trinkt, kann den Schlaf verbessern.

Wichtiger Hinweis: Auch pflanzliche Schlafmittel und schlaffördernde Tees können das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Sie sollten nach der Einnahme nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Achten Sie auf die Hinweise in der Packungsbeilage.

Tipp
Badezusätze mit ätherischen Ölen entspannen und wirken schlaffördernd. Geeignet sind Produkte, die beispielsweise Fichtennadel, Kamille oder Lavendel enthalten. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten.

Wann sollten Sie zum Arzt?

Schlafprobleme, die ohne ersichtlichen Grund länger als 2 Wochen anhalten, sollten vom Arzt behandelt werden.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- sanfte Schlafmittel und entspannende Maßnahmen keine Besserung bringen
- Sie nächtliche Atemstörungen haben
- Sie sehr nervös sind
- Sie unter Schilddrüsenfunktionsstörungen leiden oder Schilddrüsenhormone einnehmen; Schlafstörungen können Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sein
- Sie Medikamente einnehmen, die möglicherweise die Schlafstörung verursachen
- es für die Schlafstörung keinerlei Erklärung gibt
- körperliche Funktionen beeinträchtigt werden (Herzrasen und Herzrhythmusstörungen, Verdauungsbeschwerden, ständige Kopfschmerzen, etc.).

Was Sie beachten sollten

Auch pflanzliche Schlafmittel und schlaffördernde Tees können das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Sie sollten deshalb nach deren Einnahme nicht mehr aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Achten Sie auf die Hinweise in der Packungsbeilage.


Pflanzliche Schlafmittel
Baldrian wirkt entspannend, beruhigend und schlaffördernd. Er wird als Einzelsubstanz oder in Wirkstoffkombinationen angewandt. Die meisten Mischpräparate enthalten neben Baldrian Melisse, Hopfen und Passionsblume. Auch diese Arzneipflanzen helfen bei Schlafstörungen. Die Einnahmeempfehlungen sind von Präparat zu Präparat unterschiedlich. Die meisten Produkte sollen 1-2 Stunden vor dem Schlafengehen angewandt werden. Ganz wichtig: es kann 2-4 Wochen dauern, bis die schlaffördernden Pflanzenwirkstoffe ihre volle Wirkung entfalten.

Schlaffördernde Tees
Baldrian, Melisse und Hopfen haben eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung. Man findet diese Heilpflanzenextrakte auch in pflanzlichen Beruhigungsmitteln. Die Darreichungsform Tee hat den Vorteil, dass bei regelmäßiger Anwendung die Zubereitung zum Ritual wird. Psychologen glauben, dass der Körper dann bereits beim Aufbrühen des Tees auf Entspannung umschaltet. In asiatischen Ländern haben entspannende Teezeremonien seit Jahrhunderten ihren festen Platz im Alltag.
Um eine schlaffördernde Wirkung zu erzielen, sollten 1-2 Tassen Tee vor dem Schlafengehen getrunken werden.


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