Migräne

Migräne ist weit mehr als eine Befindlichkeitsstörung und Launenhaftigket. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Schmerzkrankheit. Etwa 13% aller Frauen leiden darunter. Auch Männer (7%) und Kinder (4-5%) sind betroffen. Am häufigsten treten Migräneattacken zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr auf. Migränekopfschmerzen treten unerwartet und nicht steuerbar in jeder Lebenssituation auf.
Ursachen und Beschwerden

Unter Migräne versteht man anfallsartige, starke, pochend-pulsierende oder bohrende, oft halbseitige Kopfschmerzen. Die Seite der Kopfschmerzen kann von einem Migräneanfall zum anderen oder sogar während einer Attacke wechseln. Häufig treten sie in Begleitung von Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit auf. Bei einigen Patienten beginnt die Migräneattacke mit einem schmerzfreien Vorstadium (Aura), in dem es zu Sehstörungen (z.B. Flimmersehen), Gefühlsstörungen (wie Taubheit oder Kribbeln) oder Lähmungserscheinungen im Gesicht und an den Gliedmaßen kommen kann. Solche Beschwerden können auch die einzigen Symptome eines Migräneanfalls sein. Ein Kopfschmerzanfall kann 4 bis 72 Stunden andauern. Die Anfallshäufigkeit variiert von wenigen pro Jahr bis zu fast täglichen Anfällen. Etwa 20 % der Bevölkerung sind von Migräne betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer.

Bei der Entstehung der Migräne können erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Daneben zählen bestimmte Lebensgewohnheiten, die Einnahme von Medikamenten, sowie Belastungs- oder Entspannungssituationen zu den Auslösern. Selbst Nahrungsmittel wie Rotwein oder Käse können einen Anfall verursachen. Jeder Patient reagiert anders. Die Wissenschaft geht davon aus, dass bestimmte Reize zu einer umschriebenen Entzündung der Hirnhaut und der darin verlaufenden Hirngefäße führen. Durch die Entzündung werden beim Pulsieren der Hirngefäße Schmerzen ausgelöst. Die eigentliche Ursache dieser Vorgänge ist unbekannt.

Migräneanfälle können ausgelöst werden durch:
- Stress
- Menstruation.
- Bestimmte Wetterlagen oder Wetterwechsel
- Übermäßigen Genuss von Alkohol, Nikotin oder Kaffee
- Veränderte Schlafgewohnheiten (Zu viel oder zu wenig Schlaf)
- Bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein, Schokolade oder Käse
- Grelles oder flackerndes Licht
- Auslassen von Mahlzeiten
- Oft treten die Beschwerden auch am Ende einer stressigen oder belastenden Zeit z.B. am Sonntag oder im Urlaub auf
- Einnahme der Antibabypille
- Vererbung spielt eine Rolle

Was Sie tun können

- Ruhen Sie sich in einem ruhigen abgedunkelten Raum aus.
- Bei leichten Migräneanfällen hilft das Auflegen einer kalten oder heißen Kompresse (je nachdem, was dem Einzelnen Erleichterung bringt) auf die Stirn.
- Das Einreiben der Stirn mit einem ätherischen Öl wie z. B. Pfefferminzöl kann die Beschwerden lindern.
- In leichten Fällen helfen auch Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure oder mit Paracetamol und Mittel gegen Übelkeit mit Dimenhydrinat.
- Wenn Sie unter schweren Migräneattacken leiden, sollten Sie stets die vom Arzt verordneten Medikamente bei sich tragen.

Hilfe aus der Apotheke

Die Behandlung bei Migräne konzentriert sich auf die Schmerzbeseitigung und das Vorbeugen neuer Attacken. Hierzu muss man die Auslöser kennen. Treten die Kopfschmerzen beispielsweise häufig bei Stress auf, so kann man diesen Reizfaktor durch Ausdauersport und Entspannungstechniken (Yoga, Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training) entschärfen.

Führen Sie ein Migränetagebuch. Notieren Sie Mahlzeiten, Essensgewohnheiten, Schlafgewohnheiten, Aktivitäten, Wetter, Gemütszustände, zusätzliche Beschwerden, Besonderheiten am Arbeitsplatz etc. Alles muss ins Tagebuch. Ihre Apotheke hilft Ihnen gerne bei der Auswertung und gibt Ihnen Tipps, wie Sie Migräne-Reize vermeiden.

Zur Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen eignen sich rezeptfreie Schmerzmittel, die Acetylsalicylsäure, Naproxen, Ibuprofen oder Paracetamol enthalten.

Acetylsalicylsäure (ASS
) wird bei Migräne in einer Dosierung von 500-1000mg empfohlen. Ältere Menschen benötigen weniger. Nicht anwenden bei erhöhter Blutungsneigung, bestehenden Magen-Darm-Geschwüren, Niereninsuffizienz oder bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma. Bei Kindern und Jugendlichen kann die Einnahme von Acetylsalicylsäure zu Komplikationen führen, wenn ein Virusinfekt oder eine fiebrige Erkrankung vorliegt. Leber und Hirn können geschädigt werden.

Bevorzugen Sie Acetylsalicylsäure als Brausetabletten, aufgelöst wird diese rasch in die Blutbahn aufgenommen. Die Wirkung setzt schneller ein als bei einer herkömmlichen Tablette. Außerdem sind Schmerzmittel in der Darreichungsform "Brausetablette" im Allgemeinen besser magenverträglich.

Naproxen greift bei leichten bis mittelstarken Schmerzen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 440mg, das entspricht 2 Tabletten. Innerhalb von 24 Stunden dürfen maximal 3 Tabletten eingenommen werden. Ältere Menschen sollten nicht mehr als 2 Tabletten einnehmen. Wenden Sie Naproxen nicht an bei erhöhter Blutungsneigung, bestehenden Magen-Darm-Geschwüren, Niereninsuffizienz oder bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma.

Ibuprofen sollte in einer Dosierung von 400 bis 800 mg bei Migränekopfschmerzen eingenommen werden. Ältere Menschen benötigen weniger. Wenn Magen-Darm-Erkrankungen, Nieren- oder Leberfunktionsstörungen sowie allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, Asthma) vorliegen, sollte Ibuprofen nicht eingenommen werden.

Paracetamol ist in einer Dosierung von 500 bis 1000 mg zur Behandlung der Migräne geeignet. Der Wirkstoff wird von Kindern und von Menschen mit empfindlichem Magen gut vertragen. Wenden Sie Paracetamol nicht in Verbindung mit Alkohol an. Die Kombination Alkohol/Paracetamol belastet die Leber. Bei Leberfunktionsstörungen ist generell von der Einnahme abzuraten.

Schmerzmittel können die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigen. Wenn Sie regelmäßig Tabletten einnehmen, sollten Sie Ihren Apotheke um Rat fragen. Er informiert Sie über mögliche Wechselwirkungen.

Mit Pfefferminzöl kann man auch Kopfschmerzen lindern. Diese Wirkung wurde durch wissenschaftliche Studien bewiesen.

Manche Betroffene haben mit Magnesiumpräparaten gute Erfahrungen gesammelt. Unter ihrem Einfluss entkrampft sich die Muskulatur und der Kopfschmerz lässt nach.

Jeder Migränepatient reagiert unterschiedlich. Probieren Sie aus, was Ihnen gut tut. Manchmal hilft Entspannung im abgedunkelten Raum.

Wann zum Arzt?

Ein Migräneanfall ist sehr häufig mit Übelkeit und Passageproblemen im Magen-Darm-Trakt verbunden. Manchmal kommt noch Erbrechen hinzu. Das erschwert die Einnahme von Schmerzmitteln. Fragen Sie Ihren Arzt um Rat. Es gibt Medikamente, die Magen-Darm-Problemen entgegen wirken.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- die Kopfschmerzen trotz Schmerzmittel nicht besser werden
- Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen
- zusätzliche Beschwerden wie z.B. Sehstörungen, Schwindel, Lähmungserscheinungen oder Sprachausfälle auftreten
- Sie häufig unter Migräneanfällen leiden und viele Schmerzmittel einnehmen
- starke Übelkeit den Migräneanfall begleitet.

Was Sie beachten sollten

Vorsicht mit Acetylsalicylsäure bei Kindern
Das Reye-Syndrom ist die Bezeichnung für eine sehr seltene, aber gefährliche Erkrankung. Hirn und Leber werden dabei massiv geschädigt. Am häufigsten sind Kinder zwischen 4 und 9 Jahren betroffen. Als Ursache vermutet man einen Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und der Einnahme von Acetylsalicylsäure. Möglicherweise spielen auch erbliche Faktoren eine Rolle. Kinder, die an Windpocken, Grippe oder Atemwegsinfekten erkrankt sind, sollten deshalb besser mit Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden.

Pfefferminzöl enthält Menthol und darf nicht im Bereich von Hals und Gesicht bei Säuglingen und Kleinkindern aufgetragen werden. Es kann sonst zu Atemnot kommen.
Pfefferminzöl gefährlich für Säuglinge und Kleinkinder

Schmerzmittelanwendung bei älteren Menschen
Bei älteren Menschen werden Arzneistoffe langsamer abgebaut. Der Stoffwechsel arbeitet nicht mehr so schnell. So kann es vorkommen, dass bestimmte Arzneistoffe länger oder stärker wirken. Menschen über 60 Jahre erzielen bei den Wirkstoffen Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure bereits mit einer geringeren Dosis die erwünschte Wirkung.

Vorsicht mit Schmerzmitteln bei empfindlichem Magen
Einige Wirkstoffe können die Magenschleimhäute reizen (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen). Wenn Sie einen empfindlichen Magen haben, sollten Sie "magenneutrale" Wirkstoffe wählen, beispielsweise Paracetamol. Außerdem gilt: Wer bei der Tabletteneinnahme ausreichend Wasser trinkt, beugt Magenproblemen vor. Brausetabletten sind deshalb im Allgemeinen besser verträglich.

Wichtig: Arzneistoffe, die die Magenschleimhäute schädigen, können dies teilweise auch, wenn sie als Zäpfchen angewandt werden. Die Nebenwirkung entsteht nicht nur durch das Auflösen im Magen, sondern auch durch den Wirkstoff an sich. Dabei ist es ohne Bedeutung, auf welchem Weg die Aufnahme in die Blutbahn erfolgt.

Schmerzmittel nur kurzfristig einnehmen!
Wenn Kopfschmerzmittel oft eingenommen werden, können sie ihrerseits Kopfschmerzen auslösen. Ein Teufelskreis entsteht. Die Betroffenen greifen immer häufiger zur Tablette. Nehmen Sie Schmerzmittel nicht länger als drei Tage hintereinander ein. Weiterhin gilt die Empfehlung: nicht öfter als zehn Tage im Monat! Präparate mit nur einem Wirkstoff sollen ein niedrigeres Abhängigkeitsrisiko als kombinierte Präparate erzeugen. Besonders gefährdet sind Menschen, die unter Migräne oder Spannungskopfschmerz leiden. Die Betroffenen leiden sehr häufig unter Schmerzen.

Schmerzmittel
Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff bezeichnet man als Monopräparate. Sie enthalten beispielsweise Acetylsalicylsäure, Naproxen, Paracetamol oder Ibuprofen.
Kombinationsmittel enthalten verschiedene Schmerzmittel und/oder Zusätze wie Koffein oder Vitamin C. Wenn mehrere Wirkstoffe in einer Tablette enthalten sind, werden sie niedriger dosiert als in Monopräparaten. Durch das Zusammenspiel wird die Wirkung verstärkt.
Wenden Sie Schmerzmittel nur bei Bedarf an, nicht prophylaktisch. Trinken Sie zur Einnahme von Tabletten, Kapseln oder Dragees mindestens ein Glas Wasser (0,2l). Das ist wichtig, damit das Arzneimittel nicht in der Speiseröhre hängen bleibt. Ein weiterer Grund: Viele Schmerzmittel werden dadurch besser magenverträglich und der Wirkstoff kann sich gut aus der Arzneiform lösen.

Sonstige schmerzwirksame Mittel
Pfefferminzöl auf Schläfen und Stirn wirkt gefäßerweiternd und muskelentspannend. Kopfschmerzen lassen dadurch deutlich nach. Bei einigen Patienten verschwinden sie ganz. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die diese Wirkweise bestätigen. Für Kleinkinder und Säuglinge ist das Hausmittel nicht geeignet. Schulkinder und Erwachsene profitieren von der Anwendung, besonders weil keine Nebenwirkungen bekannt sind.
Aber auch der Eisbeutel auf der Stirn oder das Zurückziehen in einen abgedunkelten Raum leisten im Einzelfall gute Dienste. Manche Betroffene haben mit Magnesiumpräparaten gute Erfahrungen gesammelt. Sie entkrampfen die Muskulatur. Durch die Entspannung schwindet der Kopfschmerz.


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