Blasenentzündung

Eine Entzündung der ableitenden Harnwege wird in den meisten Fällen durch Bakterien verursacht. Frauen und Mädchen sind davon häufiger betroffen als Jungen und Männer, da Keime aus Scheide und Darm leicht in die nahe gelegene Harnröhrenöffnung eindringen können. Außerdem ist bei Frauen die Harnröhre kürzer und somit auch der Weg zur Harnblase. Bei Männern begünstigt eine vergrößerte Prostata die Entstehung von Harnwegsinfekten.
Ursachen und Beschwerden

Als Blasenschwäche oder Harninkontinenz wird das Unvermögen, die Blasenentleerung willentlich zu kontrollieren, bezeichnet. Viele Menschen reden nicht über ihre Inkontinenz und verdrängen sie. Inkontinenz ist eine Krankheit und kein "Fehlverhalten" und kann in jedem Lebensalter auftreten. Bei älteren Menschen kommt es meist zu einer Stressinkontinenz, d.h. bei bestimmten Anstrengungen kommt es zu ungewolltem Harnabgang. Auslösende Faktoren können Lachen, Bücken, Heben, Husten oder Niesen sein. Frauen sind davon stärker betroffen als Männer. Männer leiden dafür öfter an der Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren. Bei einer Reizblase besteht der ständige Drang zum Wasserlassen. Sie kann in jedem Lebensalter auftreten. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen kommt Bettnässen vor, also rein nächtliche Inkontinenz.

Symptome
- Blasenentleerung unter brennenden Schmerzen
- Druckgefühl in der Blase
- häufiger Harndrang
- Ausscheidung geringer Urinmengen, unvollständige Blasenentleerung
- Dunkelfärbung des Urins durch Blutbeimengungen, eigentümlicher Geruch
- Schmerzen im unteren Bauchraum
- Schmerzen in der Nierengegend und Fieber (Hinweis für eine fortgeschrittene Infektion mit Beteiligung der Nieren, Nierenbeckenentzündung)
- allgemeines Krankheitsgefühl
- bei Kindern und älteren Menschen unkontrollierter Harnabgang, auch nachts.

Häufige Ursachen bei Frauen:
- Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur durch Schwangerschaft oder Übergewicht.
- Hormonmangel in den Wechseljahren.
- Altersbedingte Schließmuskelschwäche.

Bei Frauen liegt aus anatomischen Gründen ein höheres Erkrankungsrisiko vor, da Keime aus Darm oder Scheide schnell in die nahe gelegene Harnröhrenöffnung gelangen können. Bakterien können leicht in die Blase aufsteigen und dort Entzündungen auslösen. Durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann man vorbeugen, weil dadurch die Harnwege besser durchspült werden. Je länger der Urin in der Blase gehalten wird, desto stärker können sich die Bakterien vermehren. Für Frauen und Mädchen ist außerdem die "richtige" Analhygiene von größter Bedeutung. Nach dem Toilettengang darf der Analbereich immer nur von der Scheide Richtung After gesäubert werden. Also: von vorne nach hinten, nicht umgekehrt! So verhindert man das Eindringen von Bakterien aus dem Darm in die Harnröhre.

Häufige Ursachen bei Männern:
-Prostatavergrößerung.

Häufige Ursachen bei älteren Menschen:
-Schwäche des Blasenschließmuskels.
-Mangelnde Konzentrationsfähigkeit.

Häufige Ursachen bei Kindern:
Bei der häufigsten Form von kindlichem Bettnässen, der sog. primäre Enuresis nocturna (Kinder werden nachts "nicht trocken") handelt es sich um eine Reifungsverzögerung des Zentralnervensystems. Psychische Probleme sind hier nicht die Ursache, allerdings häufig die Folge. Andere Formen des Bettnässens sind häufig psychisch bedingt. Wenn Säuglinge betroffen sind, kommen neben einer Bakterieninfektion auch angeborene Fehlbildungen als Ursache in Frage.

Allgemeine häufige Ursachen:
- Blasenentzündung.
- Rückenmarks- oder Nervenerkrankungen.
- Tumore
- Diabetes, Multiple Sklerose.
- Folge von Operationen, Unfällen.
- Angeborene Fehlbildungen.

Harnwegsinfektionen werden meistens durch Bakterien, insbesondere durch Darmbakterien verursacht. Bei einer Infektion der unteren Harnwege sind die Harnröhre oder die Blase entzündet. Bei Fortschreiten der Erkrankung können auch die oberen Harnwege betroffen sein. Dann liegt eine Nierenbeckenentzündung vor. Sie muss vom Arzt behandelt werden.


Tipp:
Versuchen Sie immer, die Blase vollständig zu entleeren. Das verringert das Infektionsrisiko.

Folgende Faktoren begünstigen eine Harnwegsinfektion:
- Unterkühlung, nasse Badekleidung, kalte Füße
- sexuelle Aktivität (beim Geschlechtsverkehr können die Keime leicht in die Scheide gelangen)
- Harnabflussstörungen, z. B. durch eine vergrößerte Prostata
- Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes mellitus, Gicht
- Abnahme der Östrogenwirkung in den Wechseljahren (es kommt zu Schleimhautveränderungen im Genitalbereich; dadurch werden Infektionen begünstigt)
- Schwangerschaft
- Abwehrschwäche
- Antibiotikatherapie
- falsche Analhygiene bei Frauen.

Was Sie tun können

Allgemein:
- Blase regelmäßig entleeren, am besten zu bestimmten Zeiten, um einem unwillkürlichen Harndrang zuvorzukommen und um die Blase zu trainieren. Fachleute empfehlen vorbeugend, nach jeder vermeintlichen Infektionsgefahr möglichst die Blase zu entleeren! Nach dem Geschlechtsverkehr kann man so eventuell übertragene Bakterien mit dem Urin ausspülen. Auch nach dem Schwimmen schützt Wasserlassen vor aufsteigenden Keimen. Wichtig im Schwimmbad: Wechseln Sie immer nasse Badekleidung, denn durch die Feuchtigkeit kann es schnell zu Unterkühlungen kommen. Außerdem können sich Keime im nassen Umfeld besonders gut vermehren.

Frauen:
- Übergewicht reduzieren.
- Training des Beckenbodens durch Anspannen und Festhalten des Beckenbodenmuskels, mindestens 20 mal am Tag.
- Training des Schließmuskels durch willentliche Unterbrechung des Harnstrahls beim Wasserlassen.
- Tragen von Slipeinlagen oder Windelhöschen (Apotheke) sowie spezieller inkontinenzgeeigneter Unterwäsche.

Männer:
- Frühzeitige Beachtung und Behandlung von Prostataleiden.
- Tragen von Slipeinlagen (Apotheke) oder Urinalkondomen mit Auffangbeutel

Kinder:
- Psychische Ursachen herausfinden. Das Selbstwertgefühl des Kindes stärken. Für eine entspannte häusliche Atmosphäre sorgen.
- Bettnässen nie bestrafen.
- Vor dem Schlafengehen und evtl. einmal während der Nacht mit dem Kind zur Toilette gehen.
- Hilfsmittel einsetzen, z.B. Klingelhose, die das Kind weckt, wenn es ins Bett gemacht hat.

Hilfe aus der Apotheke

Bei einer Harnwegsinfektion helfen Blasen- und Nierentees, die Bakterien auszuspülen. Diese Tees enthalten harntreibende Arzneipflanzen.

Bärentraubenblätter (Arctostaphylos uva-ursi) werden häufig beigefügt, weil sie bei Harnwegsinfekten antibakteriell wirken. Die entsprechenden Trockenextrakte werden nicht nur in Tees, sondern auch als Tabletten, Dragees oder Tropfen angeboten. Sie dürfen jedoch nicht länger als eine Woche und nicht häufiger als fünfmal im Jahr angewandt werden. Es kann sonst zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen, z.B. besteht beilangdauernder Anwendung die Gefahr von Leberschäden.

Häufig angewandte harntreibende Arzneipflanzen:
- Birkenblätter (Betula pendula, Betula pubescens)
- Bohnenhülsen (Phaseolus vulgaris)
- Brennesselblätter (Urtica dioica)
- Goldrutenkraut (Solidago virgaurea = echte Goldrute; Solidago gigantea = Riesengoldrute
- Solidago canadensis (kanadische Goldrute)
- Hauhechelwurzel (Ononis spinosa)
- Orthosiphonblätter (Orthosiphon aristatus)
-Schachtelhalmkraut = Zinnkraut (Equisetum arvense).

Diese Arzneipflanzen werden als Trockenextrakte in Blasen- und Nierentees, Dragees, Tabletten, Brausetabletten oder Tropfen eingesetzt. Es gibt Präparate mit einem Wirkstoff und auch Kombinationen. Trinken Sie ausreichend während der Therapie, am besten stilles Wasser oder Kräutertee bzw. Nieren- und Blasentee. Beachten Sie bei den Arzneitees unbedingt die Dosierungsempfehlung. Meistens werden 3-5 Tassen pro Tag empfohlen. Teezubereitungen mit medizinischer Wirkung dürfen nicht überdosiert werden. Unter der Rubrik "Gegenanzeigen" (in der Packungsbeilage) finden Sie Angaben, wann der betreffende Nieren- und Blasentee nicht eingenommen werden darf. Viele Produkte eignen sich nicht zur Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren, bei Schwangeren und Stillenden oder bei bestehenden Ödemen (Wassereinlagerungen im Gewebe) infolge eingeschränkter Herz- und Nierentätigkeit.

Tipp:
Gesunden Menschen wird eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von zwei Litern empfohlen. Menschen mit Harnwegsinfekten müssen mehr trinken. Experten empfehlen eine Trinkmenge von 2,5 bis 3 Litern, wenn keine anderen Erkrankungen dagegen sprechen.

Wann zum Arzt?

Wenn Schwangere und Kinder unter einer Harnwegsinfektion leiden, muss immer ein Arzt aufgesucht werden. Das Gleiche gilt bei starken Schmerzen in der Rückengegend (Gefahr einer Nierenbeckenentzündung).

Nehmen Sie ärztliche Hilfe in Anspruch, wenn
- Sie starke Schmerzen verspüren
- die Beschwerden trotz Selbstbehandlung nicht nachlassen
- Fieber die Symptome begleitet
- sich Blut im Urin befindet (eine Dunkelfärbung des Urins kann durch Blutspuren verursacht werden)
- die Nierengegend schmerzt.

Mittelstrahlurin für die Diagnose
Wenn der Harn auf Keime untersucht werden soll, liefert der so genannte Mittelstrahlurin die genauesten Ergebnisse. Dazu lässt man den ersten Harnstrahl in die Toilette und sammelt dann erst den Urin. Dafür gibt es spezielle Gefäße aus der Apotheke. Im ersten Harnstrahl können sich Verunreinigungen von Keimen aus Harnröhre oder Scheide befinden. Das Ergebnis kann dadurch verfälscht werden.

Was Sie beachten sollten

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, Nebenwirkungen
Grundsätzlich kann es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln zu Wechselwirkungen kommen. Bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente überhaupt nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Angaben zu den einzelnen Produkten finden Sie im Beipackzettel. Bei konkreten Fragen und individuellen Problemen berät Sie Ihre Apotheke gerne. Beachten Sie, dass Nieren- und Blasentees eine medizinische Wirkung haben. Halten Sie sich an die empfohlenen Dosierungshinweise, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden.


Mittel gegen Blasenentzündung
Die Wirkstoffe der Bärentraubenblätter gelangen über den Verdauungsweg in die ableitenden Harnwege. Dort wirken sie antibakteriell. Man bezeichnet Bärentraubenblätter bzw. deren Extrakte auch als Harndesinfizienz. Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren dürfen die Produkte nicht einnehmen. Die Mittel sollen außerdem nicht länger als eine Woche und nicht öfter als fünfmal im Jahr verabreicht werden. Bei langdauernder Anwendung besteht die Gefahr von Leberschäden. Bei der Zubereitung von Tee muss dieser 15 Minuten lang gekocht werden. Das kurzzeitige Übergießen mit heißem Wasser reicht nicht zur vollständigen Freisetzung der Wirkstoffe aus. Besser man setzt den Tee mit kaltem Wasser an und lässt ihn 12 bis 14 Stunden unter mehrmaligem Umrühren ziehen. Dann kocht man ihn kurz auf und siebt ab. Bei dieser Teezubereitung (Kaltauszug) werden nicht so viele magenbelastende Gerbstoffe freigesetzt. Beachten Sie die angegebenen Hinweise zur Zubereitung und Dosierung. Alles, was den Harn stärker "sauer" (pH-Werte unter 7,0) macht (z.B. hoher Fleischkonsum), kann die antibakterielle Wirkung der Bärentraubenblätterextrakte schmälern. Der Verzehr von reichlich pflanzlicher Kost trägt dazu bei, dass der pH-Wert (Maßeinheit, die den Säure- bzw. Laugengehalt einer Lösung angibt) des Harns steigt, was die antibakterielle Wirkung unterstützt. Den gleichen Effekt erzielt man durch die Einnahme von Natron-Pulver (Natriumhydrogencarbonat; auch als Natriumbicarbonat bezeichnet, in der Apotheke erhältlich).
Durch die Anwendung harntreibender Arzneipflanzen werden krankheitsauslösende Keime ausgespült. Experten bezeichnen dies als Durchspülungstherapie. Es gibt Präparate mit nur einem Inhaltsstoff oder Kombinationen. Sie enthalten beispielsweise Extrakte aus Birkenblättern, Orthosiphonblättern, Goldrutenkraut, Schachtelhalmkraut oder Hauhechelwurzel. Die Pflanzenextrakte werden in Form von Tabletten, Kapseln, Dragees, Brausetabletten oder Tropfen angeboten.

Nieren- und Blasentees
Blasen- und Nierentees wirken harntreibend. Schädliche Keime werden dadurch ausgeschwemmt. Zu den häufig enthaltenen Arzneipflanzen zählenBirkenblätter, Bohnenhülsen, Brennesselblätter, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Orthosiphonblätter und Schachtelhalmkraut. Durch den Zusatz von Bärentraubenblättern werden antibakterielle Effekte erzielt. Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren dürfen diese Produkte nicht einnehmen. Zubereitungen mit Bärentraubenblättern dürfen außerdem nicht länger als eine Woche und nicht öfter als fünfmal im Jahr angewandt werden. Bei langdauernder Anwendung besteht die Gefahr von Leberschäden. Manche Nieren- und Blasentees enthalten Süßholzwurzel. Diese Arzneipflanze wirkt beruhigend auf den Magen und wertet den Geschmack der Pflanzentees auf. Wie der Name schon sagt, schmeckt der Tee dann leicht süßlich. Die einzelnen Arzneitees werden als Teebeutel, Granulat oder Pulver angeboten. In Ihrer Apotheke gibt es auch lose Teemischungen. Beachten Sie bei allen Produkten die angegebene Dosierungsempfehlung und Gegenanzeigen, um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden. Viele Produkte dürfen nicht von Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Ödemneigung (Wassereinlagerung) infolge eingeschränkter Herz- und Nierenfunktion angewandt werden.


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