Leber und Galle

Die Leber ist die größte Drüse im menschlichen Körper und hat zahlreiche Stoffwechselaufgaben. Sie produziert außerdem die Gallenflüssigkeit (Gallensteine) und ist das wichtigste Entgiftungsorgan des Körpers.
Die Leber wiegt etwa 1,5 kg und liegt im rechten Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell. Wenn die Leber überlastet ist und zu wenig Gallensäuren herstellt, kommt es zu den typischen Leber- und Gallenbeschwerden.

Ursachen und Beschwerden

Die Leber erfüllt zahlreiche lebensnotwendige Stoffwechselfunktionen. Gleichzeitig reinigt sie das Blut von Schadstoffen und Genussgiften. Werden der Leber mehr Schadstoffe (z.B. Alkohol) zugeführt, als sie verarbeiten kann, ist die Leber überlastet und die Produktion von Gallenflüssigkeit kann nur noch eingeschränkt stattfinden.
Die Leber vergrößert sich und manchmal entsteht ein Druckgefühl im rechten Oberbauch am Rippenbogen. Häufig spürt man aber gar nichts. Die Leberfunktion ist noch nicht beeinträchtigt, und durch strikte Gewichtsreduktion, Alkoholentzug oder kohlenhydratarme Kost kann sich die Fettleber zurückbilden. Eine Fettleber kommt häufig bei Übergewichtigen, Alkoholikern oder Diabetikern vor, manchmal auch in der Schwangerschaft.

Bei einer Leberentzündung (Hepatitis) kommt es zunächst zu grippeähnlichen Beschwerden. Hinzu kommen Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen. Später tritt meist eine Gelbsucht (gelbliche Verfärbung des Augapfels und der Haut) auf. Durch die Entzündung der Leber wird auch die Gallebildung beeinträchtigt. Dadurch kommt es zu einer Entfärbung des Kots und zu einer dunkleren Färbung des Urins.

Jahrelanger Alkohol- oder Tablettenmissbrauchs oder Hepatitis kann eine Leberzirrhose zur Folge haben. Dabei wird untergegangenes Drüsengewebe durch Bindegewebe (Narbengewebe) ersetzt. Die Leberfunktion ist irreparabel geschädigt. Bedingt durch die vielfältigen und unterschiedlichen Aufgaben der Leber bei der Stoffwechselregulation treten zahlreiche verschiedene Beschwerden auf: Müdigkeit, Magen-Darmbeschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Verstopfung und Fettunverträglichkeit, Hormonstörungen. Da der Blutfluss durch die Leber behindert ist, kommt es zur Bauchwassersucht, zu Hämorrhoiden und Krampfadern in der Bauchhaut und in der Speiseröhre. Letztere können Auslöser von lebensbedrohlichen Blutungen sein. Unter dem rechten Rippenbogen entsteht ein Druckgefühl , an der Haut kommt es zur Ausbildung von "Leberhautzeichen". Dabei handelt es sich um eine Rötung der Handinnenflächen und kleine Gefäßknötchen von denen sternförmig feine Gefäße abstrahlen (Spinnennävus). Auch der Zentralnervensystem wird durch den Leberschaden beeinträchtigt. Angefangen mit Unruhe und Gedächtnisstörungen kann sich ein lebensbedrohliche Leberkoma entwickeln. Eine einmal vorhandene Leberzirrhose ist nicht heilbar. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Leberkrebs.

Häufige Ursachen für Leber- und Gallenbeschwerden sind
- die Leber produziert zu wenig Gallensäure
- die Gallenblase verkrampft und entleert sich nicht
- Gallensteine behindern die Abgabe von Gallenflüssigkeit in den Darm
- ungewohnt fette Speisen
- hoher Konsum von Alkohol und Nikotin
- Regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Schmerz- und Rheumamittel).
- Vergiftungen (z.B. mit Alkohol, Chemikalien, Tabletten, Giftpilzen).
- Infektion mit Hepatitis-Viren. Die wichtigsten Erreger der Virushepatitis sind das Hepatitis A-Virus, das Hepatitis B-Virus und das Hepatitis C-Virus.
- Andere Viren, Bakterien oder Parasiten.

Störungen bei der Fettverdauung können sich durch Schmerzen im Oberbauch, Druck- und Völlegefühl, Appetitlosigkeit und manchmal auch in Form von Blähungen bemerkbar machen. Fettreiche Kost liegt dann wie ein "Stein" im Magen.

Tipp:
Schimmelige Lebensmittel belasten die Leber. Selbst wenn die pilzbefallenen Stellen herausgeschnitten wurden, können sich giftige Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze im verbleibenden Nahrungsmittelrest befinden. Oberflächlich sichtbar ist immer nur ein Teil des Pilzgeflechtes. Ernährungsexperten empfehlen Lebensmittel wie Weich- und Frischkäse, Schnittkäse, Milchprodukte (Joghurt, Quark), weiches Obst sowie Gemüse, verschimmelte Nüsse und Konfitüre mit einem Zuckergehalt unter 50 Prozent bei Befall wegzuwerfen. Bei einem Laib Brot (kein aufgeschnittenes Brot), Hartkäse am Stück oder Konfitüre mit einem Zuckergehalt von über 50 Prozent raten die Fachleute zu großzügigem Wegschneiden. Im Zweifelsfall sollten Sie angeschimmelte Lebensmittel immer wegwerfen.


Was Sie tun können

- Übergewicht vermeiden oder reduzieren
- Gesunde, fettarme und vitaminreiche Kost
- Jede weitere Belastung der Leber durch Medikamente oder Alkohol vermeiden.
- Leicht verdauliche Kost zu sich nehmen; lieber mehrere kleine Mahlzeiten als eine große.
- Bei Reisen in entsprechende Länder besondere Hygienemaßnahmen beim Essen, Trinken und auf Toiletten beachten. Seit kurzem ist es auch möglich, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen.
- Gefährdete Personen sollten sich gegen Hepatitis B impfen lassen.
- Je nach Stadium der Leberfunktionsstörung können zusätzliche Vitamingaben nützlich sein.

Hilfe aus der Apotheke

Kolikartige Schmerzen können mit krampflösenden Mitteln behandelt werden. Man bezeichnet sie auch als Spasmolytika. Die Arzneistoffe Hymecromon oder Butylscopolaminiumbromid wirken auf die glatte Muskulatur in den Gallengängen. Wenn diese entkrampft wird und erschlafft, erweitern sich die Gallengänge. Die Gallenflüssigkeit kann dann besser abfließen.

Die gallenwirksamen Arzneipflanzen fördern entweder den Abfluss der gebildeten Gallenflüssigkeit oder sie steigern deren Produktion in der Leber.

Die Wirkstoffe der Artischocke regen den Gallenfluss an und unterstützen dadurch die Fettverdauung. Sie sollen gleichzeitig positiv auf den Leberstoffwechsel einwirken. Wenn Gallensteine vorliegen, sollten Artischocken-Präparate nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Mariendistel lindert Leber- und Gallenbeschwerden durch das enthaltene Silymarin. Dieses soll eine schützende und funktionsverbessernde Wirkung auf die Leberzellen ausüben. Verdauungsbeschwerden und entzündliche Lebererkrankungen werden gelindert.

Löwenzahn fördert den Gallenfluss und die Gallenproduktion. Man findet die Arzneipflanze häufig in Leber- und Gallentees.

Die Inhaltsstoffe der Pfefferminze wirken entspannend auf die glatte Muskulatur. Dadurch erweitern sich die Gallengänge und der Abfluss der Gallenflüssigkeit wird verbessert. Pfefferminze kann bei krampfartigen Schmerzen in der Galle und den Gallenwegen eingesetzt werden.

Boldoblätter (Ruprechtskraut)
helfen bei Funktionsschwäche von Galle und Leber. Sie verbessern die Fettverdauung. Schafgarbe wirkt entkrampfend und regt den Gallenfluss an.

Wann zum Arzt?

Häufiges Auftreten von unklaren Schmerzen im Oberbauch und Übelkeit nach einer fettreichen Mahlzeit kann mit einer Leber-Gallenerkrankung in Verbindung stehen.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- Sie starke Schmerzen oder heftige Krämpfe verspüren
- Sie nach fettreichen Speisen unter Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch leiden
- Sie appetitlos sind und immer mehr an Gewicht verlieren
- Sie unter ständiger Übelkeit leiden
- Wenn Sie sich ohne Grund müde und erschöpft fühlen
- Ihr Urin dunkelbraun verfärbt ist.
- bei Gelbfärbung von Augen und Haut (Gelbsucht)

Was Sie beachten sollten

Mariendistel: manchmal leichte Nebenwirkungen
Bei Medikamenten die Mariendistel enthalten wurde vereinzelt eine leicht abführende Wirkung beobachtet.
Grundsätzlich können bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Arzneimitteln Wechselwirkungen auftreten. Auch bei bestimmten Krankheiten und gesundheitlichen Störungen dürfen manche Medikamente nicht eingenommen werden (Gegenanzeigen). Ihre Apotheke berät Sie gerne.


Schmerz- und krampflösende Mittel
Hymecromon wird bei schmerzhaften Krampfzuständen im Gallenwegsbereich und bei entzündlichen Gallenwegserkrankungen eingesetzt. Zwei- bis dreimal täglich eingenommen soll Hymecromon kolikartige Schmerzen lindern.
Butylscopolaminiumbromid löst ebenfalls krampfartige Schmerzen und wirkt Funktionsstörungen im Bereich der Gallenwege entgegen. Der Wirkstoff wird als Einzelstoff oder kombiniert mit dem entzündungs- und schmerzhemmenden Mittel Paracetamol angeboten. Es gibt Zäpfchen und Tabletten. Bei starker Übelkeit und/oder Erbrechen sollten Zäpfchen eingesetzt werden.

Pflanzliche Mittel
Pflanzliche Mittel, die Artischocke enthalten, verbessern den Gallenfluss und damit die Fettverdauung. Die Wirkstoffe der Mariendistel haben eine schützende und funktionsverbessernde Wirkung auf die Leberzellen.

Leber- und Gallentees
Leber- und Gallentees gibt es als Teebeutel oder als Teeaufgusspulver. Selbstverständlich kann Ihre Apotheke auch einen Leber-Gallentee für Sie frisch mischen. Beachten Sie die Dosierungsempfehlung. Übermäßiger Verzehr von Arzneitees kann zu unerwünschten Wirkungen führen.


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