Übergewicht

Bei Übergewichtigen sind in den seltensten Fällen Stoffwechselerkrankungen die Ursache. Meistens essen die Betroffenen nicht ausgewogen, oder sie bewegen sich zu wenig. Vermeintliche Blitzdiäten verschlimmern häufig die Situation, durch den Jo-Jo-Effekt hat man kurze Zeit nach der Diät wieder das alte Gewicht, meist sogar noch mehr.
Allgemeines, Ursachen und Folgen

Nimmt der Mensch mehr Energie in Form von Nahrung zu sich als er tatsächlich verbraucht, wird er im Laufe der Zeit übergewichtig. Wer abnehmen will, muss entweder weniger essen als er verbraucht oder seinen Energieverbrauch, z.B. durch Sport oder körperliche Arbeit deutlich steigern. Von Übergewicht spricht man, wenn das Gewicht über dem Normalgewicht liegt. Bezugsgröße für das Normalgewicht ist der Körpermassenindex, welcher das Körpergewicht in Relation zur Körperlänge stellt: BMI = Body Mass Index = Gewicht (kg) / Körperlänge (m2). Mit einem BMI (kg/ m2) von 18,5 - 24,9 liegt man im Normbereich. Bei einem BMI von 25-30 spricht man von Übergewicht, ab einem BMI von 30 liegt Fettsucht (Adipositas) vor.

Die Energiezufuhr und der Energieverbrauch des Körpers werden in Kilokalorien (kcal.) oder Kilojoule (kJ) gemessen. Eine Kilokalorie entspricht 4,184 Joule. Der tägliche Kalorienbedarf eines Erwachsenen richtet sich nach der Körpergröße und der täglichen Arbeit. Für einen Schreibtischarbeiter liegt er bei ca. 2500 kcal oder 10500 kJ, ein Waldarbeiter benötigt ca. 3700 kcal oder 15400 kJ. Der Bedarf an Nahrungsenergie ist erhöht bei körperlicher Betätigung, im Wachstum und in der Schwangerschaft und Stillzeit. Die Nahrung sollte sich im Idealfall aus 15% Eiweiß, 30% Fett und 55% Kohlenhydraten zusammensetzen. Mit Hilfe von Kalorientabellen kann der Energiegehalt der Nahrungsmittel festgestellt werden.

Eine Fehlsteuerung der Appetit-Sättigungs-Regulation kann ebenfalls zu Übergewicht führen, da ein Sättigungsgefühl nicht mehr wahrgenommen wird. Bestimmte Essverhaltensmuster werden bereits in der Kindheit anerzogen. Selten stecken hinter Übergewicht ernsthafte Erkrankungen oder Hormonstörungen.

Von Blitzdiäten oder einseitiger Ernährung beim Abnehmen ist allerdings abzuraten, da es zum so genannten Jo-Jo-Effekt kommt: Bei stark verminderter Kalorienzufuhr (unter 1.200 kcal) und fehlenden Nährstoffen, kommt im Gehirn die Botschaft "Hungersnot" an. Der Körper senkt den Energieverbrauch, auch noch kurze Zeit nach der Diät. Wer nun normale Mengen isst, nimmt zu. Gleichzeitig füllt der Körper so schnell wie möglich die Fettdepots auf, um sich vor der nächsten "Hungersnot" zu schützen. Es werden viel mehr Nährstoffe in Fett umgewandelt als normal üblich. Ein Teufelskreis entsteht: Diät führt kurzfristig zum Erfolg, aber wenige Wochen später ist das Ausgangsgewicht erneut erreicht, häufig sogar überschritten. Die nächste Diät folgt mit gleichem Resultat. Schließlich ist der Diätwillige so frustriert, dass "alles egal ist." Unsicherheit, Unzufriedenheit und "Versagergefühle" bleiben zurück. Häufig ist es schwierig, alleine einen Ausweg zu finden. Nehmen Sie deshalb fachmännische Unterstützung in Anspruch. Auch Ihre Apotheke berät Sie gerne.

Folgen von Übergewicht
- Stoffwechselstörungen (Diabetes, Gicht, erhöhter Cholesterinspiegel)
- steigendes Risiko, an Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Arterienverkalkung, Fettleber, Thrombosen, Gelenkerkrankungen, Gallensteinen zu erkranken
- Unfallgefahr und Risiken für Komplikationen bei Operationen sind erhöht
- verkürzte Lebenserwartung

Hilfe aus der Apotheke

Erfolgreich abnehmen
Sie können längerfristig nur abnehmen, wenn Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen und den Energieverbrauch durch viel Bewegung und Sport erhöhen. Eine optimale Ernährung besteht aus einer fettarmen ausgewogenen und vollwertigen Mischkost. Fettarm bedeutet maximal 60-80g Fett pro Tag zu verzehren. Essen Sie beim Abnehmen deshalb dunkle Brotsorten, Naturreis und Vollkornnudeln.
Bevor Sie mit Ihrer Diät beginnen, sollten Sie sich Folgendes bewusst machen: Es gibt keine Wunderpillen. Sie können nur längerfristig, wenn Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten ändern. Dabei sollte das Ziel eine fettarme ausgewogene und vollwertige Mischkost sein, möglichst kombiniert mit viel Bewegung und Sport.

Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Diätexperten empfehlen maximal 2kg im Monat oder 5-10% des Ausgangsgewichtes pro Jahr abzunehmen.

Beim Diäteinstieg erleichtern Sättigungskapseln oder -pulver die Umstellung von Ernährungsgewohnheiten. Zusammen mit Wasser eingenommen vergrößern Sie Ihr Volumen im Magen und bewirken ein Sättigungsgefühl. So kann man Heißhungerattacken oder hastigem Essen vorbeugen. Die Mittel werden im Allgemeinen gut vertragen. Allerdings können sie bei gleichzeitiger Einnahme die Wirkung anderer Medikamente stören.

Formula-Diäten oder Pulver zum Abnehmen enthalten alle notwendigen Nährstoffe. Die Pulver werden mit Wasser oder kalorienarmen Flüssigkeiten angerührt und ersetzen ganze Mahlzeiten. Formuladiäten eignen sich zum Diäteinstieg und führen schnell zum Erfolg. Die Umstellung auf Normalkost muss dann jedoch langsam erfolgen. Zunächst wird nur eine Pulvermahlzeit durch normale Kost ersetzt. Nach wenigen Tagen folgt die zweite, und schließlich erfolgt die komplette Umstellung auf Normalkost. Ganz wichtig: Achten Sie während der Umstellungsphase auf ausreichend Bewegung. Dadurch können Sie der Gefahr des so genannten Jo-Jo-Effektes entkommen.

Pflanzliche Mittel,
die das Abnehmen unterstützen, enthalten meistens wasserausschwemmende Arzneipflanzen. Häufig werden Birkenblätter (Betula pendula, Betula pubescens), Brennesselblätter (Uritica dioica), Bohnenhülsen (Phaseolus vulgaris), Wacholderbeeren (Juniperus communis) und Hauhechelwurzel (Ononis spinosa) verwendet. Kombinationen mit Mateblättern (Ilex paraguariensis) wirken anregend. Mateblätter enthalten Coffein. Gleichzeitig sollen sie auch das Hungergefühl dämpfen. In vielen Ländern Lateinamerikas ist Mate-Tee das Nationalgetränk. Die einheimischen Indios trinken den Tee gegen Hitze, Hunger und Erschöpfung. Traditionsgemäß wird der Tee aus Flaschenkürbissen getrunken. Daher kommt auch der Name: "Mate" bedeutet in der Indiosprache "Kürbis".

Blasentang beziehungsweise getrocknete Braunalgen (Fucus vesiculosus) enthalten Jod. Diesen Stoff braucht die Schilddrüse, um stoffwechselanregende Hormone zu produzieren. Dementsprechend sollen Braunalgen den Stoffwechsel in Schwung bringen und den Energieverbrauch steigern. Wenn Sie Schilddrüsenhormone oder Jodtabletten einnehmen, oder unter einer Schilddrüsenerkrankung (z.B. Überfunktion) leiden, sollten Sie vor der Einnahme von Blasentang Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Was Sie tun können

- Zeit nehmen beim Essen, gut kauen und keine anderen Tätigkeiten nebenher ausführen
- am besten fünf kleine Mahlzeiten am Tag
- vor jedem Essen ein großes Glas Flüssigkeit trinken, das mindert den Appetit.
- bei jeder Diät sehr viel trinken (mindestens 2l), aber: kalorienfreie Getränke wie z.B. Mineralwasser.
- jede Diät mit regelmäßiger, körperlicher Betätigung begleiten
- Diät-Fertiggerichte können ab und zu eine Mahlzeit ersetzen.
- Gemeinsam mit anderen abnehmen stärkt den Willen und die Motivation
- Führung eines Ernährungstagebuch, um das eigene Essverhalten zu kontrollieren
- Wichtig ist eine dauerhafte Umstellung der Ernährung, um Eßfehler in Zukunft zu vermeiden und das niedrigere Gewicht zu halten.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie viele Kilos abnehmen möchten, sollten Sie vorher einen Arzt aufsuchen. Durch zu schnelles Abnehmen kann das Herz-Kreislaufsystem stark beansprucht werden. Es kann auch zu Stoffwechselentgleisungen kommen. Ihr Arzt wird Sie gründlich untersuchen, um Ihren Gesundheitszustand und ihre Belastbarkeit abzuklären. Besprechen Sie mit ihm, welche Diät für Ihre Gesundheit am besten geeignet ist.

Wenden Sie sich an einen Arzt, wenn
- Sie starkes Übergewicht haben
- Sie kurzatmig sind und Bewegung schwer fällt
- Sie unter Ess-Störungen leiden
- Sie bereits abgenommen haben, aber nicht mehr damit aufhören können.

Was Sie beachten sollten

Quellmittel können die Wirkung von Arzneimitteln beeinträchtigen
Sättigungskapseln oder -pulver, die Quellmittel enthalten, können die Wirkung anderer Arzneimittel stören. Deshalb sollten Sie die Medikamente mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 30, besser 60 Minuten einnehmen.


Sättigungskapseln oder -pulver
Quellstoffe vergrößern in Verbindung mit Wasser ihr Volumen. Im Magen entsteht dadurch ein erstes Sättigungsgefühl. Nach diesem Prinzip wirken so genannte Sättigungskapseln oder -pulver. Wenn die Produkte etwa 30 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen werden, fallen Ernährungsumstellungen und diätetische Maßnahmen leichter. Es kommt nicht zu Heißhungerattacken. Auch wenn man kalorienreduzierte Kost isst, bleibt nach dem Essen kein Hungergefühl zurück.

Formula-Diäten, Pulver zum Abnehmen
"Formula-Diät" ist ein Sammelbegriff für verschiedene Pulver, die mit Wasser oder kalorienarmer Flüssigkeit (teilweise auch mit Milch) angerührt werden. Eine Pulverzubereitung ersetzt eine Tagesmahlzeit. Es handelt sich um gezielt zusammengesetzte Nährstoff-Konzentrate entsprechend den Richtlinien der Ernährungswissenschaftler (Diätverordnung). Während der Diät werden dem Körper alle wichtigen Nährstoffe zugeführt, so dass keine Mangelerscheinungen entstehen. Dennoch sollte bei längerer Einnahme ein Arzt die Diät begleiten.
Eiweißreiche Pulver zum Abnehmen werden ergänzend zu einer Reduktionsdiät empfohlen. Mangelzuständen und dem Abbau von Muskelmasse wird so vorgebeugt. Die eiweißreiche Mischung soll den Stoffwechsel aktiv halten. Die Hersteller empfehlen jedoch diätbegleitend unbedingt auf ausreichend Bewegung und Sport zu achten.

Pflanzliche Mittel
Viele pflanzliche Mittel zum Abnehmen bewirken eine verstärkte Wasserausscheidung. Manche Produkte enthalten zusätzlich Mate oder Blasentang. Beiden Pflanzen sagt man eine stoffwechselanregende Wirkung nach. Mate soll sogar appetithemmend wirken. Wichtig: Auch wenn die Produkte den Stoffwechsel anregen oder Wasser ausschwemmen, können sie die Diät nur begleiten. Um abzunehmen müssen sie die Energiezufuhr durch eine fettarme, zuckerreduzierte Kost senken und den Kalorienverbrauch durch Bewegung und Sport erhöhen.


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